"Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt".
(Rainer M. Rilke)

7.12.2016
Liebe Tierfreunde, Szofi ist unsere Tierheim-Königin. Aber leider nur, was die Dauer ihres Aufenthaltes im Tierheim betrifft. Mehr als 10 JAHRE wartet sie jetzt. Immer im gleichen, düsteren Gehege. Freilauf gibt es für sie nicht, weil sie kleine Hunde nicht mag. Damit gibt es aber auch keinerlei Abwechslung für sie. Der einzige Ausweg für unsere "Lebenslängliche" scheint ihr Tod zu sein. Das darf doch einfach nicht wahr sein! Sehen Sie das nicht auch so?

Meine Teamkollegin schrieb mir letztes Wochenende noch von Ungarn aus, dass Szofi schwer abgebaut hat. Wenn Sie schon mal einen älteren Hund beherbergt haben, wissen Sie, was das bedeutet. Der Hund, der bisher immer noch fit und aktiv war und nur zwischendurch mal längere Päuschen brauchte, schaltet auf einmal auf "alt" um. Er schläft viel und will bei Regen nicht mehr so recht vor die Tür. Das Gesicht wird ganz grau, die Augen schimmern bläulich. Mit dem Hören ist es auch nicht mehr wie früher. Der schöne gemeinsame Herbst des Lebens ist zu Ende. Der Winter beginnt. Und es wird kein Frühling mehr kommen. So ist halt das Leben. Es bleibt, diese ganz besondere Zeit miteinander in Ruhe und Frieden zu genießen, den alten Kameraden noch ein wenig mehr zu unterstützen und zu verwöhnen.

Bei meinen eigenen alten Hunden beginnt dann die Zeit der "Sonderrechte". Das Leckerchen kommt, auch ohne etwas dafür tun zu müssen. Die Jungen müssen dem Esstisch fern bleiben, die Alten dürfen es sich darunter oder auch daneben bequem machen. Die Spaziergeh-Runden werden arg gemütlich, und die alten Freunde dürfen selber bestimmen, wann es genug ist. Man nimmt Rücksicht und wird dafür unendlich belohnt. Mit der Gelassenheit und Milde des Alters, mit gegenseitigem Verstehen, einem zärtlichen Blick und einem verstehenden Wedeln mit dem Schwänzchen.

Und jetzt muss ich Sie leider wieder zurück in die harte Realität mitnehmen. Szofis Lebens-Winter hat begonnen. Sie hat den Weg ihres eigenen, langsamen Abschiedes eingeschlagen. Aber es ist niemand da, der sich besonders um sie kümmern würde. Der harte ungarische Winter steht vor der Tür. Unsere Tierheimleiterin schrieb, dass eine warme Hütte für Szofi fein wäre. Aber auch so eine Hütte schützt nicht wirklich gegen die Kälte. Und auch nicht gegen die Einsamkeit. Ins warme Veteranenhaus kann Szofi nicht, weil sie nicht mit allen Hunden gut Freund ist. Bald wird sie sich still und leise davon machen. In einer kalten, einsamen ungarischen Nacht einfach der Last eines langen Lebens nachgeben.

Und was wird man dann über sie sagen können? 95% ihres Lebens hat sie hinter Gittern verbracht. Sie hat NIE einen Menschen für sich gehabt, obwohl sie eine echte Kuscheltante war. Sie hat NIE behaglich in einem Körbchen gelegen oder eine Matratze unter ihren alten Knochen gespürt. Sie hat NIE einen kühlen Platz in einem glutheißen Sommer oder einen warmen Platz in einem Winter mit Minusgraden erlebt. Sie hat NIE wirklich gelebt. Sie hat lediglich existiert.

Das REICHT NICHT, verdammt nochmal! Ihr Leben muss einfach für eine kurze Zeit einen Sinn bekommen. Den Sinn, einen Menschen glücklich zu machen, Liebe zu geben, Kamerad zu sein, Einsamkeit zu vertreiben. Geliebt und verwöhnt zu werden.

Wo seid ihr, ihr Menschen mit einem Herzen so groß wie ein Scheunentor? Traut ihr euch, einem sehr menschenbezogenen Hund ein paar würdevolle letzte Monate zu geben? Vielleicht wolltet ihr gar keinen Hund mehr haben, weil ihr euch zu alt fühlt für einen Jungspund. Aber hier ist eine, die euch braucht. Sie braucht Liebe und Zuneigung. Sie braucht Pflege und Fürsorglichkeit. Sie braucht einen warmen Platz und einen Menschen, der sie versteht.

Szofi braucht ganz dringend einen Platz als Einzelhund oder als Gesellschaftsdame zu großen Rüden. Mit denen versteht sie sich sehr gut. Sie möchte nicht mit anderen Mädchen oder kleinen Hunden unter einem Dach leben.

Bitte seien Sie sich bewusst, dass sie wahrscheinlich keine Jahre mehr bei Ihnen sein wird. Sie ist alt und verbraucht. Aber wir möchten sie nicht im Tierheim sterben lassen. Es gab andere Hunde, für die das Tierheim als Endstation richtig war. Aber nicht für Szofi, die so für Menschen schwärmt. Körperlich ist sie einem Transport gewachsen.

Bitte werden Sie Szofis Weihnachtswunder und melden Sie sich per Mail bei Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Oder rufen Sie an: 02462-907664 oder 0157-30214282.

Weitere Informationen zu Szofi finden Sie in ihrem Inserat.

 
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