"Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt".
(Rainer M. Rilke)

16.06.2017
Liebe Tierfreunde, Conni berichtet von Ihrer ersten Ungarn-Tour im Mai. Viel Spaß beim Lesen.

Meine erste und bestimmt nicht meine letzte Reise

Als die Planung für die Maifahrt begann und die Idee entstand eine einwöchige Tour durch zu führen, bei der nicht nur die Transporthelfer, sondern noch einige andere Teammitglieder privat mitfuhren, war ich begeistert. Ich kannte bisher nur Bilder und hatte viele Erzählungen von erfahreneren Vereinsmitgliedern gehört und mir in meiner Phantasie so manches Bild gemacht. Dies nun mit eigenen Augen zu sehen, noch dazu nicht mit dem zeitlichen Druck, der sonst bei den Fahrten unweigerlich herrscht, erschien mir erstrebenswert und ich begann meine private Planung.

Es galt meinen Mann von meiner Idee mitzufahren zu begeistern, 2 Hunde unterzubringen und meine Omadienste zu delegieren. Diese Umsetzung verlief jedoch ganz harmonisch. Mein Mann unterstütze mich in meiner Idee, indem er einen Hund neben seiner Arbeit betreute und dafür sehr früh aufstehen musste, mein Nachbar, der die Tagesbetreuung übernahm, meine gute Seele, die meinen Golden Retriever zu ihrer Hündin dazu nahm und ihn später gar nicht mehr hergeben wollte und natürlich meine Schwester, die meine Omadienste übernahm. Also meldete ich mein Interesse an und konnte am Ende sogar den Transport begleiten. Denn diesen Wunsch hatte ich auch. Mit zu erleben, wie die Hunde an ihre neuen Familien übergeben werden.

So fuhr ich am Sonntag gegen Mittag nach Kassel, denn dort sollte ich vom Transporter in dem Angelika und Jörg saßen, abgeholt. Mit etwas Verspätung klappte das auch gut und wir fuhren bis zum Abend ohne große Verzögerungen. In Bayern fanden wir ein sehr schönes Hotel, ließen uns dort kulinarisch verwöhnen und fuhren am nächsten Morgen ausgeruht über Österreich nach Ungarn.

Meine Aufregung wuchs je näher wir dem ersten Tierheim kamen. Dort trafen wir dann auch zum ersten Mal auf die anderen Vereinskollegen, deren Anreise mit mehr „Spannung“ verlaufen war. Aber davon erzählen sie selber.

Aus den Videos wusste ich ja nun, dass immer eine große Aufregung bei den Hunden herrscht, wenn Besuch in das Tierheim kommt. Ich war auf das Bellen vorbereitet, doch all diese traurigen Augen. Ich hörte förmlich wie sie mir sagten: Hast du ein Zuhause für mich? Guck mal, was ich kann? Siehst du mich? Ich bin so lieb! Streichel mich! Mich bitte nicht, ich habe Angst. Gehe weg von meinem Gehege.

In meinem Kopf schwirrte es nur so. Es gibt Vereinsmitglieder, wie Birte und Stefanie, die jeden Hund mit Namen kennen. Wie machen sie das bloß?

Ich habe in Kiskunfélegháza nur 3 Hunde (Polly, Bruno 1 und Boroka)in der Vermittlung und die musste ich schon suchen.

Dann hatte ich nicht vorgesorgt. Mein Handy machte keine Videos. Speicherplatz voll. Oh Gott und nun? Die Tierheimleiterin hatte ein aktuelles von Polly. Ein kleines Problem gelöst. Und dann habe ich nur noch gestreichelt, liebkost, Leckerchen verteilt, mich mit den Mitarbeitern dort bekannt gemacht und konnte feststellen, dass es tiptop sauber ist. Die Hunde dort gut versorgt werden.

Leider wenig Platz für freien Auslauf möglich ist und auch durch die zentrale Lage kein Land dazugekauft werden kann. Für viele Hund mit einem großen Bewegungsdrang schon ein Problem. Als wir dann nach Orosháza fuhren und ich so über diese ersten Begegnungen nachdachte, fiel mir voller Schreck ein, dass ich einen Hund vergessen hatte. Jenny! Ungesehen von mir. Das schlechte Gewissen meldete sich sofort. (Anmerkung: Jenny ist mittlerweile in Ungarn gut vermittelt)

Fuhren wir an diesem Montag noch in das dortige Tierheim? Ich weiß es schon nicht mehr. Ich glaube es ging in unsere sehr schöne Pension. Duschen und dann ein erstes Treffen mit der Tierheimleiterin mit Übersetzerin und nicht zu vergessen ein leckeres Essen. In meinem Arbeitsleben habe ich immer die Verantwortung für den ganzen Ablauf eines Projektes gehabt. Nun genoss ich dabei zu sein, zuzuhören, nicht die Fäden in der Hand haben zu müssen und ich muss sagen, ich war froh. Angelika meisterte dies mit Handy am Ohr, Gabel in der Hand und die Unterlagen für die kommenden Bauprojekte in der Nähe. Alle Frauen können Multitasking, doch Angelika ist Megamultitasking und genau die Richtige an dieser Stelle. Von hier aus von mir alle Unterstützung.

Ich verstand so oft Bahnhof und gewöhnte mir an, Hilfe anzubieten, falls sie gebraucht wurde. Dann kam am nächsten Tag, das Tierheim. Ca. 250 Hunde warteten dort. Genug Zeit, die wir/ich mit den Hunden verbringen konnten und letztendlich doch zu wenig. 

Auch hier wird eine ungeheuerliche Arbeit geleistet. Mit so viel Liebe für die Hunde, wird gefüttert, die Gehege und die Freilaufgelände sauber gehalten. Doch immer wird es zu wenig sein. Ein eigenes Körbchen. Ob in Ungarn oder woanders wünsche ich mir für alle diese lieben, freundlichen, verschmusten, lustigen, traurigen, ängstlichen und kranken Hunde.

Und so fuhr ich am Ende der Woche mit allen vermittelten Hunden nach Deutschland. Es waren schöne, bewegende Übergaben. Hunde und Frauchen/und Herrchen, die fühlten, dass sie füreinander bestimmt waren. Und ich. Ich stieg in Kassel aus, ging ins Motel zum Übernachten. Konnte nicht schlafen. Mein Kopf war so voll. Irgendwann klappte es dann doch.

Die ganze kommende Woche fand ich nicht meinen Tagesrhythmus. Mein Kopf und meine Seele waren voll. Auch das Erzählen fiel mir schwer. Ich dachte immer nur, wie kann ich das was dort geleistet wird an die Menschen bringen, damit sie uns mehr unterstützen? Wie kann ich bei den vielen unzähligen Tierportalen unsere Arbeit besonders hervorheben, damit unsere Hunde ein eigenes Körbchen bekommen. Antworten habe ich noch keine. Aber eines weiß ich genau. Ich werde die Arbeit weiter leisten und bin auch bei der nächsten Tour dabei.

Eure Conni/Willi

 
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