"Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt".
(Rainer M. Rilke)

27.1.2016
Liebe Tierfreunde,
wir treffen immer mal wieder Menschen, die sich trauen, einen blinden Hund aufzunehmen. Aber gleich zwei … das hatten wir so auch nur ein einziges Mal. Und von diesen tollen Menschen und ihren "Adoptiv-Kindern" möchten wir Ihnen heute berichten.

Samu wurde jammernderweise und schwer verletzt irgendwo im Wald gefunden. Bei einer genaueren Untersuchung stellte sich heraus, dass er fast nichts mehr sehen kann. Verbessern konnte man das leider nicht mehr, aber durch gezielte Behandlung zumindest den schlechten Status erhalten und so kann unser kleiner Mops zumindest noch ein paar Kontraste erkennen. Er durfte recht bald in sein neues Zuhause reisen.

Samu scheint sich dort wirklich gut benommen zu haben, denn einige Zeit später rief mich sein Frauchen, zunächst noch recht zögerlich an, um mir zu sagen, dass sie Anteil nähme an Morgos Schicksal und ihm einen schönen Platz wünschen würde. Aber sie selbst käme sich vor wie ein Animal-Horder, wenn sie ihn auch noch nähme, wo bereits 3 Hunde im Haushalt leben würden. Und eine Katze.

Morgo saß zu der Zeit bereits eine ganze Weile im Tierheim. Er war sehr ungehalten, als er eingefangen wurde und zeigte sich anfangs im Tierheim gar nicht zugänglich. Dies brachte ihm auch seinen Namen ein, der übersetzt "Brummbär" heißt. Seine Brummigkeit resultierte allerdings aus der Tatsache, dass er blind wie ein Maulwurf ist. Aber sein Verhalten warf natürlich die Frage auf, wie er sich in einem Zuhause mit Kindern und einigen anderen Hunden verhalten würde.

Aber Morgo hatte Samus Frauchen berührt und er ließ sie nicht mehr los. Und nach einigen Wochen Bedenkzeit, einigen Videos und Beratungen mit der Tierheimleiterin, die sagte, dass Morgo das packen würde, hat sie sich getraut. Samus Frauchen sagte "JA" zu Morgo. Ihre Familie stand komplett hinter ihr für den Fall, dass es Schwierigkeiten geben würde.

Aber was soll ich sagen. Es gab wenig davon. Das anfängliche Katzenjagen, da hat Morgo wohl zwischenzeitlich vergessen, dass er blind ist, und das Körbchen-Verteidigen legte sich unter der Führung von Frauchen bald. Und schon nach einigen Wochen führte Morgo die Hunde- und Menschen-Truppe beim Spazierengehen sehr selbstbewusst an.

Ich bekomme netterweise regelmäßig Bilder vom alten "Brummbär". Und nie wirkt er mehr brummig. Im Gegenteil, er sieht aus wie einer, der das Leben genießt und ein fester und geliebter Teil einer großen Familie ist.

Die beiden Herren Samu und Morgo sind mittlerweile ein wenig älter geworden. Samu ist nun ungefähr 11 und Morgo 8 Jahre. Aber das ist ja noch kein Alter für so knackige Jungs wie euch. Wir wünschen unseren beiden kleinen Blindschleichen noch viele Jahre im Glück und sagen ihrer Familie ganz herzlich „danke“ für den Mut, gleich zwei sehbehinderte Hunde aufzunehmen.

Es sollte mehr Menschen wie Euch geben!

Ihr Pusztahunde-Team

 

 
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