"Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt".
(Rainer M. Rilke)

Dagmar Sieg und ich waren am 20.10.2010 um 20:00 Uhr am Pendlerparkplatz in Schleswig verabredet. Meinen Wagen ließen wir stehen und fuhren mit Dagmars größerem Auto weiter. Gegen 1:00 Uhr sammelten wir auf einer Raststätte Janine Hermes ein. Wir hatten richtig Glück und kamen gut durch, am Nachmittag landeten wir bei Sonnenschein in unserem Hotel in Orosháza und ruhten uns etwas aus. Am Abend traf Adrix Patzak mit seinem Freund Siegmar ein und wir saßen noch etwas zusammen.

Am nächsten Morgen fuhren wir zum Tierheim nach Orosháza. Trotz Sonnenschein zogen wir unsere Gummistiefel an, denn in letzter Zeit hatte es viel geregnet.

Sofort kamen etliche Hunde zum Tor. Abwechselnd dürfen immer mal wieder Hunde raus aus ihrem Zwinger und frei auf dem Gelände herumlaufen. Adrix und Siegmar holten den Prototyp einer selbst gebauten Hütte aus ihrem VW-Bus; die wurde gleich ausgiebig untersucht und auch markiert.

 

Wir machten dann einen Rundgang durch das Tierheim. Dagmar und Janine versuchten, alle bekannten Hunde wiederzufinden, denn sie werden immer mal umgesetzt. Adrix hatte sich eine Liste ausgedruckt und versuchte, von allen Hunden, die bis jetzt noch kein Video hatten, eines zu drehen.

Das Tierheim wird gut geführt, alles ist sauber, aber natürlich kann niemand den Hunden genug Zuwendung und Liebe geben und richtig „gemütliche" Rückzugsmöglichkeiten gibt es auch nicht. Die Mitarbeiter versuchen aus dem Wenigen, was sie haben, das Beste zu machen.

Mir macht es besonders zu schaffen, wenn ich die alten Hunde sehe, die jede Hoffnung aufgegeben haben, alt, ungeliebt, hoffnungslos!

Diese traurigen Blicke, auch von den jüngeren Hunden, dieses „Randrängeln", wenn man in die Zwinger geht, dieses „Aufsaugen" von unseren Zuwendungen, man weiß nicht wo man anfangen und aufhören soll.....



 

Und dann fuhren wir nach Szentes. Ich bin nicht das erste Mal in ungarischen Tierheimen, habe schon einiges gesehen und erlebt, aber das, was ich da gesehen, gehört und gerochen habe, das ist fast unbeschreiblich, unbeschreiblich fürchterlich!

Im Bericht von diesem 2. Tierheim sind weniger Fotos, ich habe glatt das Fotografieren vergessen und die wenigen Fotos geben nicht im Entferntesten den wahren Zustand dieser „Anlage des Grauens" wieder, diese ungeheure Ansammlung von armen Kreaturen, die schon fast gestapelt in Käfigen sitzen.... und wenn ein neuer Hund vorm Tierheim angebunden wird, dann wird er einfach irgendwo „rein gequetscht", keine Quarantäne, kein nichts, wo denn auch, es ist kein Platz mehr....



Es sind nur 14 Tage vergangen, seit Teammitglieder diese Anlage, das Wort Tierheim kann ich einfach nicht benutzen, besucht haben und es sind schon wieder über 20 Neuzugänge zu katalogisieren. Ildiko, die gute Seele des Ganzen, die sich unentgeltlich jeden Tag so gut wie es ihr möglich ist, um die Tiere kümmert, hat uns die neuen Hunde gezeigt. Dagmar hat sie fotografiert, Adrix hat Videos gemacht und ich habe mit der Hilfe von Kerstin, die übersetzt hat, die Daten aufgeschrieben, wann und wie gefunden, Alter, Größe, Geschlecht und was an Eigenschaften bekannt ist.

Dabei haben wir in den überfüllten Zwingern zu allem Überfluss auch noch neugeborene Welpen gefunden..., aber es gibt einfach keinen Platz, wohin man sie alleine mit ihren Müttern bringen könnte, diese Ohnmacht fühlt sich schrecklich an, einfach nichts tun zu können....

Hier noch ein Einzelschicksal. Das ist Minimano.

Sie saß einfach so da, machte auf mich einen besonders traurigen Eindruck, es gibt immer wieder Hunde, die einen besonders berühren.... ich weiß nicht mal, ob sie noch lebt.... Anfang dieser Woche habe ich erfahren, das sie zu den vielen schwer erkrankten Hunden in Szentes gehört und das sie nicht mehr frisst....

Ich habe Minimano versprochen, ihr zu helfen und ich hoffe sehr, dass sie noch lebt, wenn ich die nächste Tour wieder mit nach Ungarn fahre.

Gegen 16:00 fuhren wir recht mitgenommen wieder zurück zum Hotel; bloß ab unter die Dusche. Aber man kann duschen so lange man will, diese Eindrücke lassen sich nicht abwaschen.....

Am Abend haben wir uns in einem Restaurant mit Eva ( Vorsitzende vom TH Orosháza) und Icus (Leiterin vom TH Orosháza) getroffen. Adrienn von „unserem Hotel" hat uns glücklicherweise begleitet und ganz toll übersetzt. Auch an dieser Stelle nochmal ganz vielen Dank dafür! Eva und Icus möchten uns bei unseren Bemühungen in Szentes, die dringenden Veränderungen voran zu bringen, unterstützen. Als Soforthilfe erklärten sie sich bereit, 3 Hunde aus Szentes zu übernehmen und so das Überleben der Welpen zu sichern. Adrienn erklärte sich bereit, den Transport zu übernehmen. Einfach toll, dass wir immer wieder auf so viele liebe Helfer stoßen!

 

Am nächsten Morgen fuhren wir mit Adrienn im Schlepptau nach Orosháza. Um 10:00 Uhr waren wir beim Tierheim und luden die ersten 3 Hunde ein, meine Liza war dabei und Komlós, der Liebling von Eva.

Auf dem Weg nach Szentes wartete Eva am Straßenrand und nahm endgültigen Abschied von Komlós. Sie band ihr ein blaues Halstuch um.

Dann ging es weiter nach Szentes und weitere 5 Hunde wurden mit Spot-on Präparaten versorgt und in die Transportkisten gesetzt.

Adrienn und ihr Mann haben die 3 Welpen in ihr Auto geladen und nach Orosháza gefahren und wir sind ab zu Kerstin und Fritz, wo die letzten Hunde zustiegen. Mit einer Stunde Verspätung brachen wir auf, Janine fuhr im Wagen von Adrix mit, bei uns war ja kein Platz mehr.

Die Rückfahrt verlief ohne Probleme und es ist immer wieder zu schön, die Hunde an die sehnsüchtig wartenden Herrchen und Frauchen zu übergeben. Vielen Dank auch für den frischen Kaffee, die Brötchen und Süßigkeiten, danke :-))

Bei Hannover trennten sich dann die Wege von Adrix, Siegmar und uns.

Ja, und dann ist man wieder Zuhause und die Bilder lassen einen nicht los, diese schier unbeschreiblichen Zustände. Jeden Abend, wenn ich meine Pensionshunde „ins Bett bringe", wenn es nass ist, jeden einzelnen abtrockne, die feuchten Decken austausche, dann sehe ich die armen Wesen in Ungarn vor mir, die nicht ein trockenes Plätzchen finden und dann denke ich an den Winter...

Bitte helfen Sie uns zu helfen, jede einzelne Spende hilft!

Angelika Winzer

 
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