"Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt".
(Rainer M. Rilke)

Sie sind mir alle schon so vertraut. Unsere Hunde in Ungarn. Auf der Pflegestelle bei Robi wurden wir von ihnen freudig begrüßt. Jose und Joli, die dieses Mal mitreisen, Bruno, der sich von seiner OP bei Robi erholt und eine kleine Schar schwarzer Welpen, die um unsere Füsse spielten und einige mehr nahmen unsere Aufmerksamkeit in Anspruch.

Ich wagte nicht wirklich zu fragen. Doch das hatte sich dann auch erübrigt. Aus einer Box in einer Ecke des Raumes kam ein Geräusch. Es dauerte noch eine kleine Weile und dann stand er plötzlich vor uns. Toklasz - ich glaubte, es sei ein Geist. Ein großer Hund stand da. Den Kopf zu Boden gesenkt, schlich er langsam durch den Raum. Nein, man kann es Schweben nennen. Noch etwas orientierungslos macht er sich auf eine dauernde Suche. Ist er blind? Vorsichtig nehme ich Kontakt auf. Ich weiß nicht, wie ich ihn berühren soll. Vorsichtig kraule ich seinen Kopf. Jetzt nimmt er mich wahr und bleibt stehen. Den Kopf weiter gesenkt. Langsam hebt er dann den Kopf und sein Blick geht an mir vorbei. Ich blicke durch ihn durch. Sein Körper ist geschunden, seine Seele hat sich zurückgezogen, Freude zeigt er durch ein sachtes Schwanzwedeln. Toklasz hat den Kampf zusammen mit Edit und Robi aufgenommen. Einen Kampf gegen alle sichtbaren und unsichtbaren Wunden. Robi berichtet, dass er kein Fieber mehr hat. Es sind kleine Fortschritte, die allzu zerbrechlich sind. Zerbrechlich wie Toklasz.

Zuvor waren wir im Tierheim und Icus, die Frau, der die Hunde vertrauen, wich uns nicht von der Seite. Es ist so schön mit ihr zusammen die bekannten Hunde zu besuchen und die neuen Hunde kennenzulernen. Und es gibt einige neue Hunde im Tierheim. Wir machen Fotos und Videos für die Homepage. Kerstin und Dagmar notieren die Informationen, die sie von Icus bekommen.

Wir werden immer von einer kleinen Gruppe Hunde begleitet, die ständig Streicheinheiten einfordern. Man kann ihnen nicht widerstehen. Die kleine Pepe fällt besonders auf. Bei dem letzten Besuch lebte sie noch in einem Gehege. Jetzt läuft sie unter den anderen Hunden auf dem Tierheimgelände. Zunächst beobachtet sie die Fremden. Und dann plötzlich steht sie unter uns. Sie will einfach nur dabei sein. Mal schaun, was wir da so treiben.

 

 

Der Rundgang durch das Tierheim ging weiter. Die Sonne brannte nicht nur auf den Pelz der Hunde. Lindi und Sarah begrüssten uns, Palko und Laci genossen das Kraulen, Tacsi mochte sich nicht bewegen und schaute mich traurig an und Sakir beobachtete uns, zog sich aber schnell wieder in den Schatten zurück.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Icus sprach den Bau der Krankenstation an und erinnerte an unseren ursprünglichen Vorschlag, eines der vorhandenen Gebäude dafür zu nutzen. Damals scheiterte unser Vorschlag an dem Einwand, dass man jenes Gebäude für die Tiefkühltruhen, in denen die Geflügelteile gelagert werden, benötigen würde. Wir griffen diesen Vorschlag natürlich gern auf in der Hoffnung, dass der Um- und Ausbau eines vorhandenen Gebäudes im Rahmen des finanziell Möglichen liegen würde. Vom Tierheim fuhren wir direkt zu dem Bauunternehmer, der uns schon erwartete. Eva in ihrer Funktion als Vorsitzende des Tierschutzvereines Oroshaza und Zsuzsa vom Tancsi-Gymnasium, die uns als Dolmetscherin unterstützte, waren auch dabei. Dann ging alles Schlag auf Schlag. Wir fuhren alle direkt ins Tierheim zur Ortsbesichtigung. Die Ausführung wurde besprochen, Planskizzen gemacht und ein grobes Zeitfenster vereinbart. Ein neues Angebot wird erstellt. Davon hängt jetzt alles ab. Es muss für uns finanzierbar sein.

Am Abend wurde eine schöne Tradition gepflegt. Wir trafen uns alle zum Abendessen. Dank der lieben Adrienn wurde die sprachlichen Hürden etwas gemindert. Ein langer Tag fand so einen schönen Ausklang.

Am Tag unserer Ankunft machten wir eine kurze Pause bei Kerstin und Fritz. Ein Königreich für eine Tasse Kaffee und ein kühles Glas Wasser. Unser Teammitglied Kata Solti war auch schon auf dem Weg. Ein Freund von Kerstin und Fritz wurde gebeten, uns als Dolmetscher zu unterstützen und so machten wir uns auf den Weg nach Szentes. Unser Ansprechpartner, Dr. Dobos, erwartete uns bereits. Nachdem wir uns über Ereignisse der vergangenen Wochen ausgetauscht hatten, fuhren wir mit Adri, der jungen Tierärztin, die in der Praxis von Dr Dobos praktiziert, dann weiter in die Tötung.

Auch hier begrüssten uns vertraute Hundegesichter. Schnell haben wir einen Blick auf die drei Hunde geworfen, die mit uns reisen sollen: Liza, Mazli und Frodo. Allen drei geht es gut. Es gab auch wieder neue Insassen, die fotografiert und katalogisiert wurden. Sie sind bereits unsere Hunde auf der Homepage geworden. Die junge Tierärztin untersuchte einige Hunde und verteilte Medikamente. Man kann es nur wiederholen: Hier wird nicht mehr ohne Grund getötet, sondern ausschließlich nur, wenn eine medizinische Indikation vorliegt. Solange Hoffnung auf Heilung besteht, werden kranke oder verletzte Hunde behandelt - wie jetzt zum Beispiel Topsi.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Tag der Abreise trafen wir uns mit Icus bei Robi. Es ist wie verhext, dass gerade an diesem Tag immer etwas durch die Luft fliegt, das unsere Augen tränen lässt und einen kleinen Kloß im Hals verursacht. Die glücklichen Hunde wurden in den vorbereiteten Boxen untergebracht. Zunächst fuhren wir zurück ins Hotel. Die Reisepapiere waren bald fertig und wir machten uns auf den Weg nach Szentes. Die glücklichen Drei wurden auch in ihre Boxen gesetzt, nachdem sie mit Halsbändern und einem Spot-on-Präparat versorgt wurden.

Ein kurzer Zwischenstopp noch bei Kerstin und Fritz und die Rückreise begann. Viele Kilometer lagen vor uns. Viele Erinnerungen und Eindrücke begleiteten uns. Viele glückliche Menschen warteten auf uns und ihre neuen Freunde und Begleiter.

Eine schöne Ungarnfahrt ging zu Ende.

Kai Richter

P.S.: dieses Mal habe ich ihn nicht vergessen: meinen BILL!

 

 
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