"Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt".
(Rainer M. Rilke)

Ich weiß, dass es mir kaum gelingt, die Eindrücke in Worte zu fassen und auch noch so viele Bilder können das nicht. Bilder sind starr, sie riechen nicht uns sie machen keinen ohrenbetäubenden Lärm.

Für mich war es die dritte Fahrt nach Ungarn, aber trotzdem bleibt einem ein bisschen Aufregung vor der Fahrt nicht erspart. Dieses Mal war aber zudem nicht klar, ob die Fahrt wie geplant stattfinden würde, denn meine beiden Beifahrerinnen waren krank. Eine fürchterliche Grippe hatte sie erwischt und ich bekam auch schon Halsschmerzen. Diese lange Fahrt ist auch gesund schon eine Herausforderung, aber krank?

Wir beschlossen dann doch zu fahren und so trafen Dagmar, Angelika und ich uns am Mittwochabend an einer Raststätte hoch im Norden.

Stunde um Stunde fuhren wir Richtung Süden und nach 10-stündiger Fahrt wurde es dann endlich wieder hell. Jetzt nur noch durch Österreich und den Rest von Ungarn. Unsere Rücken schmerzten dieses Mal fürchterlich und wir schoben dies auf unsere Erkältungen zurück. Pünktlich gegen 11:30 Uhr am Donnerstag kamen wir bei Fritz und Kerstin an und freuten uns sehr darauf, einen frischen Kaffee auf ihrer Terrasse zu bekommen. Es war ziemlich heiß in Ungarn und nicht nur der Temperaturwechsel machte unserem Kreislauf zu schaffen. Irgendwann am späteren Nachmittag kamen wir dann im Hotel an und waren auch ziemlich früh in unseren Betten verschwunden. Angelika und ich stellten kurz vorher fest, dass man nach so einem Schlafentzug keine Rechenaufgaben mehr bewältigen kann ;-) Wir wollten zwei Rechnungen addieren und saßen geschlagene 2 Minuten davor, ohne ein einheitliches Ergebnis zu bekommen ;-(

 

Freitag nach einem kurzen Frühstück ging es dann endlich in das Tierheim. Ich war so gespannt, was sich alles verändert hatte seit meinem letzten Besuch in Ungarn und ich freute mich so sehr auf die Fellnasen.

Zuerst sollten die Spenden ausgeladen werden. Futter, Kaustangen, Körbe und Hütten waren dieses Mal dabei.

Herzlichen Dank dafür an alle lieben Spender!

Wir fuhren auf den Hof vom Tierheim, um abzuladen und sogleich begann ein ohrenbetäubendes Bellen. Einige Hunde sprangen uns freudig entgegen. Füge. Ich musste schmunzeln, denn Stefanies Beschreibung traf es auf den Punkt. Füge sieht aus wie ein Mix aus Ramskopf und Wollschaf und immer gut gelaunt !!

 

Kefir, der Kommondor-Mix, vor dessen Liebe ich mich kaum retten konnte.

Der ganze Hof war plötzlich voller Hunde und einige waren so neugierig und dankbar für die Abwechslung, dass sie direkt in den Transporter einsteigen wollten. Jazmin war schon im Fahrerhaus verschwunden, während wir entluden.

Die Krankenstation nimmt Gestalt an und auch die Brücke an deren Rückseite ist schon fertig.  Im Oktober soll endlich Bauabnahme sein. Ich war begeistert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit der Entwässerung der Gehege wird noch im September begonnen. Zunächst wird das Gelände überall höhenmäßig angeglichen. Dann werden sowohl in den einzelnen Gehegen als auch außen Kanäle angelegt. Bis zum Winter soll alles fertig sein. Endlich müssen die Hunde nicht mehr bis zum Bauch im Schlamm stehen. Endlich!

 

 

 

 

 

 

 

Dann begannen wir mit unserem Rundgang durch das Tierheim. Viele vertraute Hundegesichter sah ich, aber auch einige Neuzugänge. Überhaupt war es viel voller als bei meinem letzten Besuch. Viele Hunde erkannte ich nicht und oft musste ich fragen, wer das ist. Zum Glück kam dann Adrienn in das Tierheim und übersetzte fleißig für uns. (Adrienn leitet das Hotel, in dem wir immer so gut unterkommen).


Ich ging an den verschiedenen Gehegen vorbei, immer mit der Kamera vor dem Gesicht, um wenigstens diesen „Puffer"  zwischen mir und der Realität zu haben. Der Erfolg war mäßig, denn bei dem Anblick mancher Fellnase hatte ich einen Kloß im Hals. JEDER dieser Hunde hätte unbedingt ein eigenes Zuhause nötig und daher möchte ich auch keinen hervorheben. ABER ich persönlich komme nicht an Lindi vorbei. Diese Hündin treibt mir die Tränen in die Augen.  Da sitzt sie nun in einem ungarischen Tierheim, ist von den Menschen nur enttäuscht worden, wird dieses Tierheim vermutlich nie wieder verlassen und was macht sie???  Sie steht am Zaun, wartet auf mich, grinst mich fett an und verbreitet nur gute Laune. Mein Kloß ist weg....  Danke, Lindi!

Die Zeit raste und ich hatte noch nicht einmal alle Hunde gesehen, da mussten wir schon wieder aufbrechen, um zu Robi und Edit zu fahren. Dort wurden die restlichen Futterspenden ausgeladen und es galt, noch die Boxen für den morgigen Transport aufzubauen.
Robi und Edit erwarteten uns schon. Es sind solche lieben, herzlichen Menschen, die mit großem Herzblut Tierschutz betreiben. Wunderschön zu sehen, wie kranke, geschundene Hunde dort zurück in das Leben finden.
Bei Robi angekommen kam mir sofort die winzige Lyssa entgegen. War die klein und niedlich!  Am liebsten hätte ich sie sofort in meiner Tasche verschwinden lassen ,-)

Ursula, mit ihren knubbeligen, kurzen Beinchen. Die Bilder werden ihr überhaupt nicht gerecht. Ruhig und ausgeglichen wirkten alle Hunde auf mich. Anubis, ein Traum von einem Hund ! Kefe, der leider noch immer keine Interessenten hat.  Ein Hund hübscher als der andere. Im Stillen dachte ich mir, dass keiner dieser Hunde auch nur eine Woche in einem deutschen Tierheim auf sein Zuhause warten müsste.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir besprachen ein paar Dinge und dann ging es auch schon an den Boxenaufbau. Robi und Edit halfen uns dabei und trotzdem wir keinen Übersetzer hatten, verständigten wir uns prima mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln.

Schnell mussten wir wieder zurück zum Hotel, denn am Abend waren wir mit allen zum Essen verabredet. Es wurde viel gesprochen und auch gelacht. Wie immer fielen wir halbtot in unsere Betten.

Samstag früh um 9:30 Uhr verluden wir pünktlich die reisenden Hunde im Tierheim Orosháza. Icus bringt sie immer der Reihe nach zum Transporter, wo sie dann ein Halsband und ein Spot-On von uns bekommen.  Das ganze Spektakel wird von einem ohrenbetäubendem Gebell begleitet. Ich bilde mir dann immer ein, dass ein jeder Hund nach einem Platz in dem weißen Transporter schreit....

 

 

 

 

 

 

 

Einige Hunde stiegen noch bei Robi zu. Dort waren – wie immer - Sandkörner in die Augen geflogen. Auch die Tötung von Szentes wurde angefahren, um noch Fahrgäste aufzunehmen. Der Streßpegel dort war kaum auszuhalten und ich kämpfte wieder einmal mit meiner Courage. Wir fuhren pünklich ab und konnten bis Bayern unseren Zeitplan halten.

An unserem ersten Übergabepunkt wurden wir von Iris und Annette überrascht. Das war ein bisschen wie nach Hause kommen, auch wenn es noch 800 km weiterging. Schade, dass man immer so wenig Zeit hat.

Alle Hunde waren ganz still im Transporter als ahnten sie, dass es in eine bessere Zukunft geht.

Jede Übergabe hat eine besondere Magie und so hält man sich irgendwie wach. 

An dieser Stelle möchte ich noch einmal allen Übernehmern für die Geduld und die Verpflegung danken.

Monika Weigel

 
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