"Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt".
(Rainer M. Rilke)

Dieses Mal sollte nicht nur der reguläre Transport stattfinden. Aufgrund einer sehr großen Futterspende und der Hilfe von vielen tierlieben Menschen konnte ein weiterer Transporter voller Spenden Richtung Ungarn starten.

In der Nacht vom 26.10. auf den 27.10.2011 kamen gegen 02.30 Uhr Angelika, Dagmar und Silke gut gelaunt bei mir an, um zu den bereits vorhandenen Spenden noch ca. 800 Kg Futter und Säcke mit den in der neuen Krankenstation benötigten Decken in den Transporter zu packen.

Nach fröhlichem Säckeschleppen und einem kleinen Imbiss machten sich die Fahrerinnen mit vollem Transporter auf die restlichen 1200 km Richtung Ungarn.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am 27.10. kam am Nachmittag Kai Richter mit dem 2. Transporter bei mir an. Wieder konnten wir viele Spenden in den Transporter laden.
Futter, Decken, Körbchen, Hütten, Wärmelampen, med. Utensilien und Leckerlie packten wir für die Hunde in Ungarn in den Transporter. Um 18.30 Uhr war es endlich soweit. Kai und ich starteten Richtung Ungarn. Für mich war es das erste Mal.


Nach ca. 4 Stunden Fahrt kamen wir auf der Raststätte Donautal an. Dort wartete bereits Michael Schwaiger mit mehreren hundert Kilo Futter und noch  anderen Spenden auf Kai und mich. Wir gönnten uns eine kleine Kaffeepause dann luden wir gemeinsam die Spenden, die Michel gesammelt hatte, in den Transporter ein.

Unsere erste Station in Ungarn war Kata. Bei ihr sind zur Zeit drei Pflegehunde vom PPH untergebracht. Doch bevor wir dort ankamen, bescherte uns unser Navi mehrere Extratouren durch ein kleineres Städtchen. Und dies sollte nicht die letzte Extratour gewesen sein.

Gegen 07.30 Uhr sind wir bei Kata angekommen. Freudig wurden wir von Ihr und ihrem kleinen Hunderudel begrüßt.   

Zurzeit leben neben ihren 4 eigenen Hunden noch 4 Pflegehunde bei ihr. Der kleine Vizsla-Welpe Rollie, den Kata aus einer ungarischen Tötung geholt und gesund gepflegt hat:

 

 

 

 

 

 

 

Vom PPH: die superliebe Tünde, die das Glück hatte und an diesem Wochenende auf eine Pflegestelle nach Deutschland reisen durfte.

Dann war da noch Negro, ein liebe und schüchterne Labrador-Hündin, die leider sehr schwer herzkrank geworden ist und deshalb aus der Vermittlung genommen werden muss.

Und Dorka, die sich dank Robis und Katas Fürsorge zu einer wunderschönen braunen Wuschelhündin entwickelt hat. Ihre Vermittlungsfotos werden ihr bei weitem nicht gerecht. Eine kleine Genießerin, die sich gerne beschmusen lässt und sich mit allen Hunden versteht. Ein Rundum-Schatz!!!

Nach einem leckeren Frühstück und nachdem wir jeden Hund durchgeknuddelt hatten, machten wir uns auf die restlichen 140 Kilometer ins Tierheim nach Orosháza.

Ich war mächtig aufgeregt, nicht mehr lange und ich würde endlich die Hunde, die ich bisher nur von Bildern kannte, live sehen dürfen. Bald war es soweit.....ja, wenn da nicht unser Navi gewesen wäre..... das hatte wohl eine Pusztatour der besonderen Art mit uns vor. Plötzlich standen wir mitten in der Puszta vor einer Sandpiste, die zur Hälfte aus riesigen Schlaglöchern bestand. Wir waren uns einig, dass weder unsere Rücken noch der Transporter diese Tour unbeschadet überstehen würden.


Gegen den Willen unseres Navis lenkte Kai den Transporter über die Dörfer und ich saugte alles, was ich sah, wie ein Schwamm in mich auf. Am Straßenrand  liegen überfahrene Hunde und Katzen, an denen die Menschen vorbeigingen, als wäre es Nichts.
An jeder Tanja, an der wir vorbeifuhren, schaute ich nach Kettenhunden. Und ich war positiv überrascht, dass viele Hunde sich frei auf den Grundstücken bewegen konnten. Aber auch Hunde, die mit ihren dünnen Körpern an Ketten hingen, bekam ich zu sehen.

Ein Wechselbad der Gefühle, gepaart mit der Schönheit der Puszta.

Und dann.....endlich waren wir in Orosháza angekommen. Wir machten uns gleich auf den Weg ins Tierheim, wo wir dann auch auf Angelika, Silke, Dagmar und Kerstin treffen würden, die ja bereits einen Tag vor Kai und mir in Orosháza angekommen waren. Hoppelnd bewegten wir uns auf der löchrigen Sandpiste Richtung Tierheim.

Die Wiedersehensfreude war groß und ich freute mich besonders, Kerstin, die mit ihrem Mann zusammen in Ungarn lebt, endlich mal persönlich kennen zu  lernen.

Bereits vor dem Tierheim wurden wir von Irma und Inga begrüßt. Die zwei Hündinnen leben vor dem Tierheim und man kann sie nicht überreden, ins Tierheim umzuziehen. Zum Glück sind beide bereits kastriert und können für nicht noch mehr unerwünschten Nachwuchs in Ungarn sorgen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Tierheim lernte ich Icus, die gute Seele des Tierheims, kennen. In den letzten Monaten wurde sie tatkräftig von Tibor und Attila unterstützt. Die beiden Jungs helfen Icus wo sie nur können und versüßen so manchem Tierheimhund zumindestens ein wenig den tristen Alltag.

Dann starteten wir alle gemeinsam den Rundgang durch das Tierheim. Lautes Gebell schlug uns entgegen. So, als wolle jeder der Hunde vermeiden, dass man ohne ihn zu streicheln vorübergeht.

Turbo versuchte, über das Gehege zu uns zu gelangen. Sie war einfach nur dankbar über die streichelnde Hand von Kai.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Überall sah ich Hunde, die ihre Köpfe durch Zäune oder Bretterverschläge steckten und ich musste das erste Mal gegen das Gefühl ankämpfen, nicht in Tränen auszubrechen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir gingen durch die größeren Gehege, in denen mehrere Hunde als kleine Rudel gehalten wurden. Alle begrüßten uns freundlich und sprangen an uns hoch, um gestreichelt zu werden. So viele wunderschöne und tolle Hunde. Ich war begeistert! Und alle sind sie viel schöner als man auf den Vermittlungsfotos erkennen kann. Traumhunde, die hier Tag für Tag ein hartes Leben fristen müssen.

Dann hörte ich ein leises Winseln hinter mir und als ich mich umdrehte, sah ich mitten in die wunderschönen Augen von LINDI ;-) Ihr Blick ging mir mitten ins Herz und auf einmal war es auch mit meiner Fassung zu Ende.  Diese Sehnsucht die ich in ihrem Blick erkennen konnte.......diese Freude über unseren Besuch in ihrem Gehege.......dieses Lächeln (jaaaa Lindi kann lachen) haben mich einfach umgehauen.

Liebe Lindi,

du bist ein Traum auf vier Pfoten und ich wünsche dir eine liebe Familie, bei der du geliebt und behütest bis ans Ende deiner Tage leben darfst.
Auch wenn ich dir kein Zuhause geben kann....du bist ganz fest in meinem Herzen.

Claudia

Weiter ging es von Gehege zu Gehege und ich konnte viele bekannte Gesichter entdecken...... Elza

Der freundliche Bobi, der sich zusammen mit Sites einen Zwinger teilt.


 

 

 

 

 

 

 

 

Bill und Lulu, Sonnenschein und Zuckerschnute, die von Kais streichelnden Händen gar nicht genug bekommen konnten.

Topi, der sich wieder voller Vertrauen den Menschen gegenüber zeigt und auch ein großer Schmuser ist.

Szemes, der ganz artig mit seinem Zwingergenossen wartete, bis auch er an die Reihe kam und beschmust wurde.


 

 

 

 

 

 

 

Alle wollten gestreichelt werden und wir gaben uns große Mühe, den Hunden diesen Wunsch zu erfüllen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich sah auch Hunde, die die Hoffnung schon fast aufgegeben hatten und sich resigniert in ihre alten und zugigen Hütten zurückzogen.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Uns ist aufgefallen, dass die Hunde, die auf dem Tierheimgelände frei laufen dürfen, doch ausgeglichener und ruhiger wirken, als die Hunde, die überwiegend in den Gehegen und Zwingern leben. Wäre es nicht schön, wenn noch mehr Hunde dieses Privileg genießen könnten? Dazu muss das Kastrationsprogramm weiter voran getrieben werden, um „Unfälle“ zu vermeiden.

Bis auf die bisher gespendeten Hütten, waren die meisten in einem sehr schlechten Zustand. Bald wird das Wetter nicht mehr so schön sein und dann bieten diese zusammengezimmerten Hütten keinen Schutz mehr für die Hunde. Auch Nägel kamen bei vielen abgewohnten Hütten zum Vorschein.#

Während Dagmar und Angelika zusammen mit Kerstin einen Termin bei dem Bauunternehmer hatten und Icus Behördengänge erledigen musste, sind Silke, Kai und ich noch im Tierheim geblieben.

Langsam kehrte Ruhe unter den Hunden ein. Viele genossen die letzten Sonnenstrahlen vor einer kalten Nacht. Attila und Tibor machten sich gleich daran, die gespendeten Hütten zusammen zu bauen und auf die Hunde zu verteilen.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dann war auch für uns der Zeitpunkt gekommen, sich von den Hunden im Tierheim Orosháza zu verabschieden.
Einige Hunde hatten das Glück, an diesem Wochenende zu ihren neuen Familien zu reisen und somit diesem trostlosen Leben zu entkommen. Diese Hunde haben es geschafft.


Mein Herz schlägt für die Zurückgebliebenen, die Tag für Tag ein Leben voller Entbehrungen führen müssen. Ihre Blicke verfolgten uns auf dem Weg zum Transporter und ich musste wieder mal gegen meine Tränen ankämpfen.

Soooooooo tolle Hunde!!!

Unser nächster Halt war die Auffangstation von Edit und Robi. Als wir dort ankamen, waren Angelika, Dagmar und Kerstin auch schon da.
Die Hunde, die zurzeit bei Edit und Robi untergebracht sind, standen schon als Empfangskomitee am Zaun, um uns zu begrüßen.

Lange konnten wir uns nicht aufhalten, weil wir uns noch mit Icus und den beiden Jungs am Futterhaus verabredet hatten, um die vielen Spenden auszuladen. Die kurze Zeit, die uns blieb, verbrachten wir mit Hunde kraulen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kurze Zeit später starteten Kai, Silke und ich Richtung Futterhaus. Mit Icus , Tibor und Attila luden wir die Spenden aus. Icus freute sich riesig über die mitgebrachten Spenden. Nur leider dachte keiner von uns daran, ein paar Fotos zu machen. Wir alle waren mit dem Schleppen der Spenden beschäftigt. Und das war ganz schön viel. Nach knapp einer Stunde hatten wir auch den letzten Futtersack im Haus verstaut.


Jetzt schnell ins Hotel und duschen. Dann waren wir auch schon wieder zum gemeinsamen Abendessen verabredet. Irgendwann machte sich dann auch unser Schlafdefizit bemerkbar und wir verabschiedeten uns. Nach einer viel zu kurzen Nacht trafen wir uns alle nochmal zu einem gemeinsamen Frühstück.

Und dann ging es auch schon wieder los. Kai und ich machten uns auf den Heimweg und für die Fahrerinnen begann das Einladen der Hunde, die schon sehnsüchtig von ihren Familien in Deutschland erwartet wurden.

Während der Rückfahrt sprachen Kai und ich über die Erlebnisse des viel zu kurzen Besuches bei unseren Freunden in Ungarn. Wir erinnerten uns an einzelne Hunde, deren Schicksal uns sehr berührt hat. Wir haben aber auch viel gelacht über das eine oder andere „Original“ im Tierheim.


Unseren Hunden habe ich eines versprochen: Ich werde wiederkommen!

Claudia Trageser

 
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