"Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt".
(Rainer M. Rilke)

Liebe Tierfreunde,

dieses Mal wird das ein etwas anderer Reisebericht, aber fange ich doch von vorne an.

Im Herbst letzten Jahres haben Dagmar und ich auf unserer letzten gemeinsamen Tour abgemacht, das wir im Mai nächsten Jahres ca. 14 Tage zusammen in Ungarn verbringen wollen, ein bisschen Urlaub genießen und uns mal ganz in Ruhe im Tierheim umschauen können, Zeit für jeden einzelnen Hund zu haben.

Leider konnten wir unseren Plan nicht mehr zusammen verwirklichen, aber mir war es eine Herzensangelegenheit, an unserem Vorhaben festzuhalten.

Da wir am Samstag, dem 28.04.2012, Jahreshauptversammlung und Wahlen hatten, ist Kerstin Hoffmann von Ungarn hierher geflogen. Am Montag, den 30.4.2012, sind wir zum Notar, um die Änderungen im Vorstand eintragen zu lassen und dann sind wir mit dem mit Spenden beladenen Transporter nach Pinneberg zu meinem Bekannten Klaus gefahren. Dort blieb der Transporter dann für die nächsten 10 Tage stehen und Klaus fuhr Kerstin und mich zum Hamburger Flughafen. Um 17:40 startete der Flieger und um 19:15 landeten wir in Budapest. Was für ein Temperaturunterschied, was für eine Hitze! Wir sind dann mit dem Zug nach Kecskemét gefahren, da es keine Klimaanlage gab, mit offenen Fenstern, das hätte ich alleine nie hin bekommen, selbst Kerstin war sich nicht sicher, ob wir im richtigen Zug sitzen und hat vorsichtshalber Mitreisende gefragt. Am Bahnhof in Kecskemét hat uns Fritz, der Mann von Kerstin, abgeholt und als wir nach ca. 20 Minuten auf der Tanya der beiden ankamen, begrüßten uns deren 4 Hunde lautstark.

Wir haben noch gemütlich zusammen gesessen und etwas Wein getrunken und dann habe ich wundervoll in dem „Ferienhäuschen" der beiden geschlafen.

Die Tage bis zum 10. Mai, an dem nachmittags Klaus mit dem Transporter eintraf, vergingen wie im Fluge. So ziemlich der 1. Blick morgens und der letzte abends galt dem Laptop. Kerstin und ich haben täglich stundenlang an den vielen Texten gesessen, die aktualisiert werden mussten, ob auf der Homepage, dem Flyer oder in der Pressemappe. Für die neuen Projekte haben wir ebenfalls die Texte und Fotos vorbereitet. Dabei haben wir schön draußen auf der Terrasse gesessen und ich habe schon etwas Farbe bekommen.

An einem der ersten Tage habe ich Fritz zu einem Bauern begleitet, der ihn um Hilfe wegen eines neugeborenen Fohlens gebeten hat, für diejenigen, die es nicht wissen: Fritz ist Tierarzt. Auf diesem Hof laufen fast alle (von Fritz kastrierten) Hunde frei herum. Diejenigen, die an der Kette liegen, sind „Hühnermörder" und da die Hühner ebenfalls frei herumlaufen, müssen sie „an die lange Leine".

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Voller Stolz hat mir der Bauer seine ganzen Tiere gezeigt u.a. auch Wollschweine, ja das sind Schweine und keine Schafe!

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und noch ein paar Impressionen, es ist etwas wie in einer „anderen Zeit".

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Am Donnerstag der 1. Woche sind Kerstin und ich morgens ins Tierheim in Orosháza gefahren.

Wir waren da mit Icus und Judit verabredet. Im Gepäck hatten wir Frontline für alle Hunde im Tierheim. Eigentlich wollten wir zügig im 1. Gehege loslegen und uns dann alle Hunde anschauen und ihnen dabei das Flohmittel verabreichen. Leider kamen wir nicht so gut voran, weil wir immer wieder Hunde entdeckten, die wir noch nicht kannten und die wir dann „katalogisieren" und fotografieren mussten, damit sie auf unsere Homepage kommen.

Ich habe mir Pläne von den 4 Höfen und den Gebäuden und Ausläufen gemacht und alles nummeriert. Wenn ich das alles ordentlich aufgezeichnet habe (das kann noch etwas dauern), dann können sich alle, die noch nie da waren, besser vorstellen, wie es im Tierheim aussieht.

Ich hatte einen Ordner mit ausgedruckten Flyern aller Hunde, die wir auf unserer Seite haben, mit. Wir haben angefangen im Auslauf 1 im ersten Hof, haben alle Hunde angeschaut und die Angaben mit denen im Flyer verglichen, Größe, Verhalten, usw.

Am Frühabend sind wir völlig geschafft und etwas enttäuscht, weil wir lange nicht so weit waren, wie wir es uns vorgenommen hatten, wieder die 2 Stunden nach Kerstins Zuhause gefahren.

Am Sonnabend hatten wir ein Treffen mit Kata, Robi und Edit sowie Erika Wickert, einer ganz tollen Simultandolmetscherin mit viel Tierschutzerfahrung. Wir haben gemütlich auf der Terrasse von Fritz und Kerstin gesessen und darüber geredet, wie wir unsere Zusammenarbeit weiter verbessern können. An dem Tag baten Robi und Edit auch um Hilfe für Hajnal und wir haben sie auf unsere Patenschaftsseite gesetzt.

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Am Sonntag fand ein "Kutschenturnier" im Nachbarort statt, Kerstin und ich sind um die Mittagszeit hingefahren und haben den ganzen Nachmittag zugeschaut. Kerstin kannte einen von den Kutschern und am Ende des Turniers hat dieser uns eingeladen, bei der Preisverleihung und den „Ehrenrunden" inklusive Quadrille mitzufahren.

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Am Dienstag sind wir wieder früh nach Orosháza ins Tierheim gestartet. Es hat fast den ganzen Tag geregnet. Wir hatten einen Termin mit dem Bauunternehmer, der verschiedene Bauvorhaben umsetzen soll (siehe unter Projekte). Wir haben den Vertrag durchgesprochen. (In der Zwischenzeit hat Judit den Vertrag für uns übersetzt und der Vertrag ist unterschrieben.)

Danach haben wir weiter bis zum Abend einen Hund nach dem anderen kontrolliert und Spot-ons verteilt. Im strömenden Regen sind wir dann wieder „nach Hause" gefahren.

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ungarn115Der direkte Nachbar von Fritz und Kerstin ist ein „Flieger" und am Mittwoch durfte ich mir die Puszta von oben ansehen.

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Am Donnerstag Nachmittag kam mein Bekannter Klaus mit dem Transporter an. Kerstin und ich saßen immer noch an den Formulierungen für unsere neuen Projekte ...

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Abends packten wir ein paar Sachen zusammen und am nächsten Morgen starteten wir wieder zum Tierheim. Wir haben uns mit Icus und Judit, unserer lieben Übersetzerin, erst beim sogenannten „Futterhaus" getroffen, wo die Futterlieferungen und -spenden gelagert werden und haben da die Eintragungen in die Impfpässe kontrolliert. Sowohl bei diesem Haus, so wie bei einem weiteren, sind ein paar Hunde untergebracht, für die im Tierheim kein Platz ist. Danach verabschiedete sich Icus von uns, weil sie zur Hochzeit ihres Sohnes nach England fliegen wollte.

Wir fuhren mit Judit ins TH und luden die Spenden aus und machten uns dann daran, die fehlenden Hunde anzuschauen und Frontline aufzutragen.

Nachmittags fuhren wir wie immer zu Robi und Edit und luden dort die restlichen Spenden aus.

Bevor wir alle zusammen die Boxen aufgebaut und mit Bettwäsche und Decken gemütlich gemacht haben, saßen wir einen Augenblick im Innenhof und haben mit Judits Hilfe über die Behandlungen verschiedener Hunde geredet.

ungarn076Danach sind wir ins Hotel gefahren, haben uns frisch gemacht und dann ab zum gemeinsamen Essen.

Am nächsten Morgen haben wir uns dann alle beim Tierheim getroffen, auch Robi und Edit haben die reisenden Hunde dorthin gebracht.

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Und viele müssen wieder zurückbleiben ...

21512065Gegen 12:00 konnte Kerstin aussteigen, sie war wieder Zuhause und die letzten Hunde von Kata und Saci stiegen ein.

21512075Wir sind bei über 30 Grad gestartet und kurz vor der österreichischen Grenze fiel das Thermometer innerhalb von einer halben Stunde auf 14 Grad ...

Die Fahrten sind immer wieder sehr anstrengend, körperlich und ganz besonders emotional/psychisch und doch, es zieht mich immer wieder hin, zu den Hunden und den Menschen.

Tschüss Ungarn, bis zum nächsten Mal, es ist noch viel zu tun!

Angelika Winzer

Der direkte Nachbar von Fritz und Kerstin ist ein „Flieger“ und am Mittwoch durfte ich mir die Puszta von oben ansehen.
 
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