"Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt".
(Rainer M. Rilke)

Hallo, mein Name ist Gesine Wratzke. Im Jahr 2005 habe ich meine Ausbildung zur Tierpflegerin im Hunde- und Katzenparadies begonnen und bin jetzt dort als Tierpflegerin tätig.
Durch meine Chefin Angelika Winzer habe ich schon viel über die Situation der Tiere in Ungarn erfahren und auch sehr viele ungarische Hunde kennengelernt. Dadurch bin ich immer neugieriger geworden und ich wollte es mir unbedingt mal selber anschauen. Schließlich kam dann der Tag, an dem ich mit nach Ungarn starten durfte. Aufgeregt stieg ich in den mit Futter, Leckerlis und Decken vollgepackten Transporter und die Fahrt begann pünktlich wie geplant am Mittwoch um 15 Uhr. Unterwegs haben wir auch noch jede Menge Spenden eingesammelt. Bis ins Allgäu begleitete uns die Hündin Jaska, die von dort aus weiter in die Schweiz reisen sollte. Jaska hat ihr neues Frauchen gleich freudig begrüsst und wir haben von ihr weitere Kauartikel für Ungarn bekommen. Da im Transporter die Heizung so gut wie ausgefallen war, freuten wir uns sehr auf die Pause bei den Freunden und Teammitgliedern Iris und Jürgen Walter, die in der Nähe wohnen. Gegen 1 Uhr Nachts kamen wir dort an. Nachdem wir bei ihnen mit heißer Suppe und leckeren Brötchen gut versorgt wurden, ging die Fahrt Richtung Ungarn weiter.
Donnerstag um 11 Uhr sind wir endlich bei Kerstin und Fritz, die in der Gegend von Kecskemét wohnen, angekommen. Dort haben wir einen leckeren Kaffee bekommen und machten eine längere Pause. So gegen 14 Uhr starteten wir ins Tierheim Kiskunfélegyháza. Unterwegs habe ich erschreckend viele Hunde gesehen, die an einer kurzen Kette lebten, was für viele Ungarn ganz normal ist.Als wir in Kiskunfélegyháza angekommen waren, haben wir erstmal einen Teil der Spenden ausgeladen, die freudig entgegengenommen wurden.

Kurze Zeit später starteten wir mit dem Rundgang. Zuerst gingen wir zur „Tötung“, der städtischen Auffangstation, die sich direkt neben dem Tierheim befindet. Auch dort sah ich einige Hunde an einer längeren Kette, da die Unterbringungsmöglichkeiten in den wenigen Zwingern sehr begrenzt sind. Teilweise hatten sie nichts weiter außer einer kleinen Hütte, in die sie sich zurückziehen konnten.


Aber es war sauber, sie hatten frisches Wasser und sie werden regelmäßig versorgt. Als wir an ein Gebäude kamen, das auch noch zur Tötung gehört, sah ich Welpen und viele kleine Hunde, die in Zwingern saßen. Alle wollten am liebsten mitgenommen werden. Sie sprangen ans Gitter und guckten sehr traurig. Sie bekamen von mir alle ein großes Leckerchen.


Danach gingen wir zum eigentlichen Tierheim hinüber. Dort habe ich auch wieder fleissig Leckerchen verteilt. Frau Winzer und Kerstin fotografierten einige Hunde und machten sich dazu viele Notizen.


Nach über 2 Stunden Aufenthalt fuhren wir zum Hotel nach Orosháza, wo wir gegen 18 Uhr ankamen. Wir brachten erstmal unsere Sachen auf die Zimmer und bestellten uns dann später eine Pizza :-). Frau Winzer, Kerstin und Horst verglichen noch die Impfausweise, die uns Robi und Judit ins Hotel gebracht hatten, mit den Transportpapieren. Ich fiel mit vielen neuen und auch traurigen Eindrücken dann als Erste ins Bett.
Am nächsten Morgen kamen wir um 10 Uhr im Tierheim Orosháza an. Zuerst haben wir hier weitere Spenden ausgeladen. Da das Tierheim in Orosháza viel größer ist wie in Kiskunfélegygháza, sind hier auch viel mehr Hunde untergebracht, so um die 180, habe ich erfahren. Ich nahm mir dann eine Tüte mit Leckerchen und habe mich dort mal umgeschaut. Schnell fiel mir eine schwarze Hündin auf.


Sie lag sehr zurückgezogen in der Ecke und schaute mich mit großen Augen an. Ich wollte ihr auch ein Leckerchen geben, aber sie hatte keinerlei Interesse daran. Ich fragte dann Kerstin, ob mit der Hündin alles in Ordnung ist, sie erzählte mir dann, dass sie erst vor kurzem rein gekommen war und hoch trächtig sei. Sie war noch sehr schüchtern und ängstlich.
Viele Hunde kletterten bis ans Ende vom Gehege hoch, nur um ein bisschen Aufmerksamkeit zu bekommen.


Da es den ganzen Tag regnete und der Boden noch gefroren war und auch noch Schnee lag, waren viele Hunde klitsch nass. In einem Gehege saßen einige Junghunde, die vor Kälte und Nässe total gezittert haben.


Dagegen hatten es die Hunde, die in der neuen Zwingerreihe leben, schon viel besser. Sie können sich in einen trockenen, wärmeren Raum zurückziehen.


Irgendwann kam ich denn ans Gehege von Cigo. Er schaute mich so traurig und intensiv an, dass ich mich sofort in diesen Hund verliebte. Er hatte es noch nie schön in seinem Leben. Seit Welpe an lebte er bei Zigeunern an der Kette, dort wurde er dann schließlich aufgrund schlechter Haltung rausgeholt und seitdem ist er im Tierheim. Mittlerweile ist er 5 Jahre alt.


Danach musste ich ständig an ihn denken.
So gegen 15:00 Uhr machten wir uns dann auf den Weg zur Pflegestation von Robi und Edit. Dort haben wir erstmal die restlichen Spenden ausgeladen. Als wir rein gingen, wurden wir mit lautem Gebelle freundlich begrüßt. Man sah, dass die Hunde sich dort wohl fühlten. Nach einem kurzen Snack haben wir dann im Transporter die Boxen für die Hunde, die mit uns reisen werden, aufgebaut. Danach ging es dann wieder zurück ins Hotel.
Am nächsten Morgen war der große Tag gekommen. Zuerst haben wir im Tierheim Orosháza die Hunde eingeladen, dann bei Robi und Edit, danach ging es ins Tierheim nach Kiskunfélegyháza und die restlichen Hunde stiegen bei Kerstin zu.


Alle Hunde, die wir dabei hatten, konnten sich nun auf ein schöneres Leben freuen. Die Rückfahrt verlief recht ruhig. Die Übergaben an die neuen Besitzer war das Schönste und es war toll, sowas mal mit zu erleben.
Auch wenn ich schon zwei Hunde habe und nie einen dritten wollte ;-) habe ich mich entschieden, Cigo ein schönes Zuhause zu geben. Er wird beim nächsten Transport im April mit nach Deutschland reisen.

Gesine Wratzke


 
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