"Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt".
(Rainer M. Rilke)

25.01.2021
Liebe Tierfreundinnen und liebe Tierfreunde,
natürlich täuscht der Titel. Ein ängstlicher Hund oder richtiger Angsthund ist schon eine Hausnummer und braucht Menschen, die wissen, auf was sie sich einlassen. Das aber auch ängstliche Hunde bei richtiger Förderung und Forderung Fortschritte machen und das Geduld und Liebe dafür eine Grundvoraussetzung sind, davon erzählt unser Team-Mitglied Katalin, die Maugli und Shanti ein Zuhause gegeben hat:

Mein Name ist Katalin, ich bin 23 Jahre alt und studiere und wohne derzeit in Kiel. Zu mir gehören Maugli und Shanti, beides Pusztahunde. Ich möchte ein wenig darüber berichten, wie es ist, wenn man einen ängstlichen Hund bei sich aufnimmt. Inspiriert wurde ich von der lieben Maike Jantzen, die in Shantis ZHG Text schrieb, dass sie hofft, dass Shantis Geschichte vielleicht auch andere dazu ermutigt, einen ängstlichen Hund aufzunehmen. Und dies möchte ich nun hiermit versuchen.

Als aller erstes sei gesagt, dass es wirklich eine Aufgabe ist, wenn man einen ängstlichen Hund aufnimmt und man es sich vorher auf jeden Fall gut überlegen sollte. Man sollte also nicht gleich die erste Zeit mit vielen (Hunde)aktivitäten vollpacken oder direkt den ganzen Freundeskreis plus Familie einladen, um den neuen Hund zu begrüßen, sondern sich und dem Hund ganz viel Zeit lassen alles kennenzulernen. Es ist aber auch nicht nur eine Aufgabe, sondern ein riesiges Geschenk. Der Moment, wenn sich der Hund das erste Mal ankuschelt und Streicheleinheiten einfordert, ist einfach unbezahlbar. Und vor allem ist die Liebe und die Bindung, die sich aus so etwas ergeben kann, einfach nur einmalig.

Meine erste Hündin, Vali aus Rumänien, kam auch relativ zurückhaltend bei uns an. Es hat bestimmt ein Jahr gedauert, bis sie sich so richtig an mich und ihre neue Situation gewöhnt hat. Aber die Geduld hat sich gelohnt. Wir waren bis zu ihrem Tod im September dieses Jahres ein unzertrennliches Team, und unsere Bindung war wirklich etwas ganz Besonderes. Vali war auch einfach mein absoluter Seelenhund.

Aber genau diese Erfahrungen haben mich darin bestärkt, Shanti aufzunehmen, obwohl sie als schüchtern und zurückhaltend beschrieben wurde. Ich habe von Maike ein Video von Shanti aus Kiskun bekommen, auf dem sie total eingeschüchtert auf den Boden saß und nur ängstlich weggekrochen ist. Das hat mir wirklich ein wenig das Herz gebrochen, aber zugleich hatte ich auch wirklich Respekt vor der Aufgabe, die vor mir lag. Als ich sie dann aber Anfang Oktober an der Raststätte in Empfang genommen habe und sie auf der Rückfahrt auf meinem Schoß saß und ihren Kopf auf meine Arme gelegt hat, wusste ich, dass ich die richtige Entscheidung für uns beide getroffen habe.

Und so ist es auch. Ich habe mich von vorneherein ermahnt, zu große Erwartungen an die Situation oder an Shanti zu stellen. Die ersten Tage war sie auch wirklich sehr ängstlich und zurückhaltend und wir mussten wirklich jeden einzelnen Raum in der Wohnung Stück für Stück gemeinsam erkunden. Auch hat es einige Zeit gedauert, bis sie richtig Gassi gehen wollte. Zuerst haben wir in Ruhe den Garten erkundigt und dann haben wir uns Schritt für Schritt weiter gewagt. Zum Glück hat sie Maugli an ihrer Seite, der ihr viel Mut und Halt gibt.
Jeden Tag konnte man und kann man immer noch ihre Entwicklung beobachten. Sie wird mit jedem Tag mutiger und frecher. Inzwischen sucht sie auch immer mehr unsere Nähe und schleicht sich gerne mal nachts ins Bett 😉.

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Natürlich gibt es auch mal kleinere Rückschritte, gerade aktuell zur „Böller-Zeit“, aber trotzdem geht sie auch jeden Tag viele Schritte nach vorne. Es ist wirklich schön, diese Entwicklung beobachten zu können und es ist auch einfach etwas ganz besonderes, wenn man so etwas gemeinsam mit dem Hund erreichen kann.

Natürlich ist so etwas also eine große Aufgabe, aber wenn man Geduld und Zeit mitbringt, bekommt man nachher einfach eine unbeschreibliche Liebe zurück und hat einen treuen Begleiter an seiner Seite.
Mein absoluter Herzenswunsch wäre es übrigens, wenn Kormika (zu finden unter Hündinnen 35 bis 50 cm) ein Zuhause finden würde. Sie ist die Mama von meinem kleinen Maugli und hat eine ähnliche Geschichte wie Shanti. Da ich ja nun ihren Sohn bei mir habe, kann ich nur erahnen, welch ein toller Charakter hinter Kormika stecken würde, wenn man sie aus der belastenden Situation im Tierheim herausholen würde.

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Viele Grüße Katalin, Maugli und Shanti

PS. Mittlerweile ist Kormika in Süderbrarup und macht sich ganz toll. Nun sucht sie vom hohen Norden aus ihr Glück und ihr Zuhause:
https://www.projekt-pusztahunde.de/index.php/zuhause-gesucht/hundeindeutschland?pid=2667&sid=2580:kormika

 
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