"Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt".
(Rainer M. Rilke)

29.03.2021
Liebe Tierfreundinnen und liebe Tierfreunde,
gerade ist ein Transport mit vielen unserer Hunde gut gelandet und etliche Zwei- und Vierbeiner beginnen jetzt ein gemeinsames und hoffentlich ganz langes Leben. Wie das so aussehen kann, vor allem in der ersten Zeit, schreibt uns Nanouk aus seinem neuen Zuhause. Aufmerksamen Lesern unserer Seite vielleicht noch als Sheldon bekannt. Wie spannend der Einzug in ein neues Leben für einen Hund ist, lesen Sie hier:

Hallo ich bin Nanouk, als ich noch in Ungarn lebte, nannten mich die lieben Zweibeiner Sheldon! Fand ich auch toll! Dann sollte ich zu einer neuen Familie nach Deutschland reisen, ich kann nicht sagen warum, aber die drei Mädels gaben mir nach dem sie sich einen halben Tag lang beraten haben, den Namen Nanouk. Der Name kommt aus meiner Huskyheimat, aus dem hohen Norden von den Ureinwohnern, den Inuit. Er bedeutet Eisbär!
Naja ich musste mich ein bisschen daran gewöhnen, wie an so vieles, aber ich höre schon ganz gerne auf den neuen Namen. Ein Eisbär, das ist so toll, auch wenn ich nur ein kleiner Husky bin, dieser Name macht mich viel größer.

Die große Reise begann am 5.12.2020, ich kam mit vielen Hunden in einen weißen Transporter. Wir alle bekamen eine Hütte in diesem Auto, sie war klein aber hatte ein Fenster aus dem ich rausgucken konnte. Ich war sehr lange unterwegs 22 h um genau zu sein. Ich fand es furchtbar so lange in dieser Kiste. Den anderen Hunden ging es bestimmt genauso, glaube ich jedenfalls. Aber ich war ganz lieb und habe diese Hütte sauber verlassen. Da kann ich schon ein bisschen stolz auf mich sein. Bei den anderen Hunden sah es bestimmt anders aus, es hat schon etwas streng gerochen in diesem Auto.
Wir passierten problemlos die ungarische und die österreichische Grenze, hin und wieder hielt das Auto, einige Hunde stiegen aus und kamen nicht wieder zurück. Komisch was die Zweibeiner wohl mit ihnen machen? Das Auto fuhr dann einfach weiter, ohne die Hunde die ausgestiegen waren. Das ist schon aufregend und ich bekomme große Angst, dass muss ich schon zugeben. Alles ist so fremd, aber ich schaff das.

Seesen Harz, nun war ich an der Reihe. Maike, so nannten sie glaube ich die Zweibeinerin, kam zu meiner Box, mit einem komischen Seil. Die Zweibeiner sagen dazu wohl Leine. Ich mag das nicht, aber ich muss so nötig Pipi. Wenn ich jetzt mitgehe, kann ich endlich Pipi machen. Komm ich dann wieder in die Box oder was machen die mit mir hier mitten in der Nacht? Wie gerne wäre ich jetzt in Ungarn bei meinem großen Freund Sergej, der würde mich beschützen. Dann nahm mich diese Zweibeinerin auf den Arm und eh ich mich versah, war ich schon wieder in so einer Hütte. Die Menschen sagen Box dazu. Das fahrbare Ding auf Rädern in dem die Box stand, nur viel kleiner als der weiße Transporter, nennen sie Auto.
Ich war alleine, die anderen Hunde fuhren in dem großen weißen Auto weiter. Zu mir stiegen dann zwei weibliche Zweibeiner ins Auto und fuhren munter lachend und schwatzend weiter. Die eine erzählte besonders viel. Ich verstand sie nicht, wieso reden die so anders? Meine Sprache ist ungarisch, ich bin ganz ruhig, nicht bewegen und vor allem nichts sagen. Die Fahrt war nun kürzer, nach ca. 2,5 h hielt das Auto und ich wurde samt der Hütte aus dem Auto geladen, ganz klein rollte ich mich in eine Ecke.

Mit der Hütte trugen mich die Zweibeiner in eine Wohnung, so nennen sie wohl ihre Behausung. Später stellte ich fest, mein neues zu Hause. Kann ich mich daran gewöhnen? Ich bin jetzt Nanouk ein Eisbär! Es ist warm in der menschlichen Behausung. Katzen, hier wohnen zwei Katzen! In meiner Natur liegt es, diese Vierbeiner zu jagen, diese beiden sollten nun mein neues Rudel sein? Zu dem Rudel gehören noch zwei Zweibeiner, die eine jünger, mit einem langen blonden Pelz. Die andere schon älter, sie wirkte sicherer und erfahren, aber lieb. Kann ich den beiden vertrauen? Diebeiden Katzen guckten hin und wieder zu mir in die Hütte, soll ich mal hinter ihnen her gehen? Ich würde so gerne, ich bin schon etwas neugierig aber diese Angst! Schnell wieder zurück in die Hütte.

Was sagen die Zweibeiner? Meinen die mich, Nanouk? Ich verstehe die Sprache nicht, aber es fühlt sich gut an. Jetzt kommt die Eine mit einer Schüssel, endlich, was zu trinken, ich hatte so einen Durst. Nun aber schnell wieder in die Hütte. Da schob sie mir noch eine Schüssel hinüber, aus der duftete es so lecker, ich hatte Kohldampf. Auf der langen Fahrt gab es nichts zu beißen. Gott sei Dank, die Die beiden anderen gingen in so ein komisches Gestell, sie nennen es Bett, auch die Katzen legten sich dort rein. Es war ruhig, ich konnte ein bisschen aus der Hütte gucken, neugierig wagte ich mich ein paar Schritte hinaus. Dann holte mich die große Angst ein und ich flüchtete mich in die Hütte.
Sie ist klein aber ich fühle mich sicher und geborgen darin.

Nach einer Weile begannen alle wieder umherzulaufen, sie schauten mich mitleidig an. Ob sie diesen üblen Geruch, der von mir ausging auch riechen? Das wäre furchtbar. Ich will das sie mich mögen. Ich glaube die sind ganz ok. Es tut mir gut, wenn sie mit mir reden, immer wieder kommen sie mit Leckereien. Sie sagen heute ist Nikolaustag! Die Katzen bekommen immer zuerst, warum? Ich habe doch so einen Hunger, ich will auch! Es dauerte nun nicht mehr lange, da kam die ältere von den Zweibeinern, zog mir so ein komisches Ding über den Kopf, es passte nicht, zu klein, sagte sie, die Schnallen gingen nicht zu. Sie fummelten an diesem Ding bis der Verschluss letztlich doch einklickte. Ich hatte solche Angst, oh Schreck, was ist das?
Eine Pfütze, ich bin vor Angst ausgelaufen, ist das Peinlich. Ich bin doch ein großer starker Eisbär. Sie legte mich an die Leine und redete dabei mit mir, ich verstand nur Bahnhof und ich hatte Angst. Ich ging mit ihr mit, was sollte ich tun, ich wollte es mir nicht verderben, es war schon schlimm, dass ich so roch. Dann noch die Pfütze, oh nein.
Die kleine Blonde machte schnell alles sauber. Dann gingen wir aus der Behausung der Zweibeiner, draußen vor der Tür wartete eine große Straße, Autos, Menschen, Fahrräder wo bin ich hier gelandet? Was wollen die alle von mir, ich will hier weg, aber ich war fest an der Leine.
Wir gingen beide über die große Straße und da saß er, am Rande des Gehweges saß Maiky, so nannten ihn die Zweibeiner. Auch er war an einer Leine und freute sich riesig mich zu sehen. Er wollte mit mir spielen. Das tat gut! Hatte ich einen neuen Kumpel gefunden? Wir liefen gemeinsam eine große Runde am Wasser entlang. Wir durften kurz in das Wasser, dass war toll und machte Spaß. Immer wieder kam Maiky zu mir und wollte mit mir spielen. Ich war noch sehr aufgeregt und freute mich über seine Gesellschaft. Das er an meiner Seite blieb, dass gab mir ein gutes Gefühl und ich hatte weniger Angst.
Er kam mit bis zu der neuen Behausung. Wohnt er auch hier? Mein neuer Freund, wir durften noch eine Runde durch den Innenhof toben, war das schön. Danach sollten wir rein gehen, es ist alles so fremd für mich. Maiky ging fröhlich mit seinem Herrchen mit in seine Wohnung. Ich wäre sehr gerne draußen geblieben. Aber meine Menschen lockten mich natürlich mit diesen kleinen, leckeren Häppchen rein in ihre Wohnung. Na gut ich ging mit, so schlecht war es nicht.

Jetzt bleibe ich auf dem weichen Fußboden liegen, ganz mutig! Ich gehe nicht mehr in die Box. Gesagt getan, alle freuten sich darüber. Die Katzen schauten etwas misstrauisch, ich lasse sie lieber in Ruhe. So ging es letztlich weiter, wir drehten draußen unsere Runden, an der Straße war und ist es sehr beängstigend aber ich schlage mich tapfer. Die Menschen freuen sich darüber. Für mich haben sie ein Bett vor dem Schrank aufgebaut. Die kleine Blonde, mit dem Namen Tabea wollte mich mit diesen Leckerlis dort rein locken, ich traute mich nur nicht. So etwas kenne ich nicht, wir hatten in Ungarn einen kalten Betonfußboden, mit etwas Glück eine Hundehütte aus Holz. Jetzt sollte ich ein Bett bekommen, wo ich immer noch so übel roch. Aber da war doch noch der verfressene, riesengroße, schwarze Kater Namens Bobby. Der ist fast genauso groß wie ich, er benimmt sich wie ein Pascha, dabei kommt er auch vom Dorf. Er findet das Bett ebenfalls gemütlich und will sich über die Leckerlies her machen, die die kleine Blonde für mich darein gelegt hatte. Da bin ich über mich hinausgewachsen, beim Essen hört die Freundschaft auf. Ich Nanouk der Eisbär, habe das Bett und die Leckerlies erobert! Es gab ein wildes Geknurre vom dicken Kater, die Zweibeiner schimpften mit ihm und er zog beleidigt von dannen. Ich hatte ein Bett! Tatsächlich ein Bett, es liegt sich so gemütlich, aber ich mache mich noch ganz klein. Eins steht fest diesen Platz gebe ich nicht mehr her!

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Am nächsten Tag, sie die Menschen, Tabea und Marion kommen schon wieder mit diesem komischen engen Ding und stopften mich darein. Ich verlor erneut vor lauter Angst etwas Pippi in meinem tollen Bett. Wie peinlich! Aber zu irgendetwas musste es dennoch gut sein, der dicke Kater nahm Abstand von meinem Bett. Der Geruch von meinem Pipi gefiel ihm nicht, dem feinen Herren. Nach mehreren etwas längeren Laufeinheiten, war es draußen schon dunkel geworden. Wir hatten alle unser Fressen bekommen, ich war ausgepowert, müde und satt.

Jetzt sollte ich baden. Nicht im Fluss oder im See, so wie in Ungarn, nein hier musste ich in eine Badewanne mit warmem Wasser. Dann wurde ich mit einer flüssigen Masse eingerieben, ich fing überall an zu schäumen als hätte ich die Tollwut! Was machen die mit mir? Ich kann es aushalten, so doof ist das nicht, Jetzt kommt wieder Wasser aus einem Schlauch, der Schaum verschwindet, ich bin klatsch nass, durch bis auf die Haut. Das will was heißen bei einem Huskyfell. Ich halte es nicht mehr aus, bevor sie mit ihren großen Tüchern kommen um mich darin einzuwickeln und abzurubbeln, musste ich mich kräftig schütteln. Das Wasser aus meinem Fell spritzte alles nass. Den ganzen Raum und auch meine beiden Zweibeiner. Pudelnass waren sie, genauso wie ich. Ich glaube, dass fanden sie nicht so gut, sie nahmen es dennoch mit Humor.

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Nun durfte ich in mein Bett, ich war todmüde. Endspannt legte ich mich in mein Bett, dass erste Mal so lang wie ich war und genoss es, sauber duftend schlafen zu können. Jetzt gefall ich meinen Zweibeinern, Tabea und Marion bestimmt und mir selber auch. Ein bisschen finde ich es sogar gut, wenn sie mich am Hals kraulen, aber nur ein Bisschen. Der riesig große Kater Bobby war am nächsten Tag immer noch beleidigt, er wollte auch ein Bett. In meins ging er nicht mehr. Da gingen die Zweibeiner los und kauften ein Bett für den Kater. Der eingebildete Kerl wollte dann nicht einmal darein gehen. Nur weil es kleiner ist als meins. Der spinnt, soll er froh sein, dass er überhaupt eins bekommt! Dann legte sich die kleine Katze in das neue Bett. Sie schläft immer sehr viel, die kleine mag ich eigentlich sehr gerne. Sie ist niedlich und hat die gleichen Fellfarben wie ich. Die Menschen rufen sie Lissy, ich finde sie hat einen schönen Namen. Ob wir noch richtige Rudelfreunde werden? Ich glaube die Menschen wünschen sich das sehr.

Als die beiden das Bett für den Kater holten, bekam ich ein neues Geschirr, dass passt jetzt besser und hat eine tolle Farbe. Ich sehe jetzt gut aus und wenn wir draußen laufen gehen, werde ich oft von den anderen Zweibeinern, die dort umherlaufen bestaunt und bewundert. Das gefällt mir schon ganz gut, dennoch holt mich die Angst noch oft ein. Ich gebe mir trotzdem große Mühe, mich in der neuen Heimat einzuleben. Ich möchte doch so gerne alles richtig machen und wünsche mir ein liebevolles Zuhause.

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nanouk

Mit diesen Zeilen möchte ich, Danke bei euch Zweibeinern sagen. Bei all denen Zweibeinern, die es mir ermöglicht haben meine Sachen zu packen und nach Potsdam zu Reisen. Ganz lieben Dank an Carola, die meinetwegen, eine Nachtschicht am Telefon einlegte und immer meiner neuen Familie mit Rat und Tat zur Seite stand. Auch nochmal ganz lieben Dank an das Fahrerteam!

Trotzdem habe ich noch einen großen Wunsch, ich will nicht unverschämt sein aber ich will ihn euch an dieser Stelle mitteilen: Für meinen alten Freund Szergej in Ungarn, wünsche ich mir von ganzem Herzen eine Familie mit einem Bauernhof, den er bewachen kann und wo er von den Menschen so geliebt und akzeptiert wird wie er ist.

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Liebe Grüße Euer Nanouk, der Eisbär

 
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