"Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt".
(Rainer M. Rilke)

07.02.2022
Liebe Tierfreundinnen, liebe Tierfreunde,
wir freuen uns immer sehr, wenn besondere Hunde besondere Menschen finden. Wenn man das Gefühl hat, es musste so kommen, anders hätte es für beide Seiten nicht geklappt. Wir freuen uns sehr, wenn die Menschen zu ihrem neuen Schatz halten, auch wenn es im wahrsten Sinne des Wortes manchmal Blut, Schweiß und Tränen kostet... Aber lesen Sie selbst, wie aus einer kleinen Hyäne ein Schmusetiger wird:

Während ich überlege, wie ich den Einstieg in diesen Text finde, betrachte ich unsre kleine Hyäne, die friedlich schnarchend, mit einem Grinsen im Gesicht, auf dem Rücken liegend, neben mir auf der Couch schläft.

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„Morcos“ heißt unser kleiner Ungar. Der Name bedeutet in etwa sowas wie „grimmig, brummig“, und was soll ich sagen, unser ungarischer Mitbewohner hält was der Name verspricht… ;)
Es mag sich vielleicht nicht so anhören, aber dies wird eine Liebeserklärung an unsere pelzige Schnappschildkröte und ein Mutmacher für alle Menschen mit einem grooossen Herz für besondere Charaktere.

Ob ein Hund bei einem einzieht, muss sehr gut überlegt sein. Es muss einem bewusst sein, dass man eine lebenslange Verantwortung für das Tier übernimmt, dass der bisherige Tagesablauf, geplante Aktivitäten, Urlaub und Ausgaben neu betrachtet und organisiert werden müssen.
Ich „kann nicht ohne Hund“ und war schon immer ein Fan von älteren oder gehandicapten Hunden…ob taub, blind, krank, unverträglich oder eben alt, das sind meine Herzensanliegen…außerdem bin ich nicht gerne super sportlich unterwegs, mir reicht der olympische Gedanke (Dabeisein ist alles) ;)

Deshalb, und weil ich die grauen und besonderen Schnauzen so sehr mag, fiel mein Blick auf Morcos, damals 8 Jahre alt, seit 5 Jahren im Tierheim, davor 3 Jahre an der Kette. Dass er nicht aus dem Transporter steigen und sich dankbar an uns werfen würde war klar, dass es aber anfangs so schwierig werden würde hatte niemand geahnt…

3 Jahre ist unsre Hyäne jetzt bei uns, alle Erlebnisse in einen Text zu packen, schlicht nicht möglich…weil aber gerade die ersten Wochen oft die entscheidendsten und schwierigsten sind, und sich bei den Frauchen und Herrchen hier oft Verzweiflung breitmacht und man aufgeben will, möchte ich hier ansetzen und unsre ersten Erfahrungen schildern…um Mut zu machen.

Am 18.05.19 nahmen wir den Burschi in Empfang. Das Ausladen und Verladen in unser Auto war schwierig, im Auto schnappte er das erste Mal nach uns…das nahmen wir jedoch gelassen, Morcos hatte ja einiges an Aufregung und Anstrengung hinter sich….zuhause in der Tiefgarage angekommen hatte Herrchen dann das erste Mal blutige Finger…also dann, Handtuch über den bissigen Burschi gelegt und in die Wohnung getragen…48 Stunden lang lag unsere Hyäne quasi regungslos auf einem Fleck…bei der kleinsten Annäherung biss er um sich…also hat Herrchen die dicken Schweißer- Handschuhe ausgepackt und den kleinen Wolf festgehalten, während Frauchen das Halsband abgenommen und das Sicherheitsgeschirr angezogen hat. Schleppleine dran und dann auf den Balkon mit dem knurrenden Wölfchen, damit er wenigstens sein Geschäft verrichten konnte. Am nächsten Tag dann mit vollem Elan und in Erwartung der nächsten Beißattacke, zum ersten Gassigang in den Wald gefahren… festes Schuhwerk, lange Hosen und die bewährten Schweißer-Handschuhe, damit die Bisse nicht so wehtun würden…was soll ich sagen, zum Glück hat uns niemand gesehen – Morcos (an der lockeren Schleppleine) hat sich minutenlang auf dem Waldweg gedreht und gewunden wie ein Krokodil, hat gejault und um sich gebissen – mir sind die Tränen gekommen, so leid tat er mir. Aber wir wussten auch, dass das genau das war, was er in dem Moment brauchte…er hatte ja 8 Jahre lang nichts kennengelernt und erlebte nun eine riesige Veränderung…der Burschi stand unter enormen Druck und Panik und diesen Stress konnte er so abbauen. Morcos hat „das Krokodil gemacht“ bis er fix und fertig war…wir haben uns dann neben ihn gesetzt und gewartet, bis er wieder bei Atem war, und sind dann ruhig und einigermaßen relaxt noch eine kleine, seine erste, Gassirunde gelaufen....

In der Wohnung hat er gut 2 Wochen lang markiert wie ein ganzes Wolfsrudel, ich hätte ihn echt erwürgen können…stattdessen kenne ich mich jetzt mit jeglichen urinzersetzenden und geruchsbindenden Bakterien aus, die man so für den Tierhaushalt kaufen kann – man lernt immer noch was dazu.

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Unsere kleine, nach der Weltherrschaft strebende Hyäne, hat leider mit Männern ganz schlechte Erfahrungen gemacht und diese konsequent auf Herrchen übertragen…Morcos hat immer wieder versucht, Herrchen in der Wohnung zu stellen und ist ihn massiv angegangen, bissige Finger und blaue Flecken inklusive…zum Glück ist ihm Herrchen da aber immer unerschrocken und konsequent entgegen getreten, und hat sich so Respekt verschafft und das Vertrauen von Morcos gewonnen…ab und an fragt unser Wolf nochmal an, ob sich was geändert hat in der Rangordnung – aber alles sehr gemäßigt…das Anfragen wird sich auch nicht ändern, der Schäferhund und der Terrier in ihm kommen da manchmal noch durch. Da reicht dann aber ein Wort oder einen Schritt auf ihn zu und alles ist wieder klar…Blut fließt nicht mehr ;)

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Tierärztlich (unter Narkose) haben wir ihn anfangs komplett untersuchen und röntgen lassen um auszuschließen, dass er Schmerzen hat und deshalb beißt. Ich war außerdem bei einer sehr guten Hundetrainerin die sich Morcos genau angesehen und meine Einschätzungen bestätigt hat…der Dackel (sein Spitzname) ist „kein Hund von der Stange“, keiner der so nebenbei mitläuft. Er braucht klare und feste Strukturen, möchte absolut keinen Hundekontakt und er ist fremden Menschen gegenüber sehr verhalten. Mit Kindern oder vielen Besuchern wäre er überfordert gewesen. Es ist gut, sehr gut, dass er bei uns ist. Wir drei haben uns gesucht und gefunden. Es war ein teilweise nervenaufreibender Weg, der einen langen Atem benötigte. Aber es war jede Anstrengung wert.

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Herrchen und Morcos sind inzwischen zu einem super Team zusammengewachsen, unser Mopsi begleitet Herrchen fast überall mit hin. Die beiden sind jeden Tag stundenlang miteinander unterwegs und Morcos erlebt tolle Abenteuer mit Herrchen. Klein Wölfchen schläft inzwischen völlig entspannt auf der Couch und im Bett ;) er liebt das Autofahren, liebt es, das Auto zu bewachen und passt leidenschaftlich auf seine Hühner auf. Inzwischen „macht die Hyäne einen auf Schoßhund“ und lässt sich liebend gerne betüddeln, den Bauch kraulen und er sucht ständig Körperkontakt. Auch das Hochnehmen und Tragen sind kein Problem mehr. Herrchen wird umgarnt und „zwangsbeschmußt“ als wäre nie „was gewesen“…

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In jeder Fellnase schlummert Potential und Entdeckergeist, alle haben ein eigenes Körbchen so sehr verdient...und noch eins haben alle gemein, ein riesengroßes Herz in das ein ganzer Mensch reinpasst.
Liebe Hundefans, schaut euch deshalb bitte auch die Hunde an, die älter sind, die schon lange im Tierheim warten und überseht bitte auch nicht die Notfälle, die vielleicht krank und geschunden sind, die im Tierheim nicht zurechtkommen und solche treuen Hundeseelen, die einen zeitlich beschränkten aber liebevollen und verständnisvollen Platz suchen, um nicht einsam im Tierheim zu sterben. Und liebe Hundehalter, gebt nicht auf, scheint es manchmal auch noch so aussichtslos. Traut euren Hunden was zu und seid berechenbar, liebevoll und konsequent. Gebt dem Hund und euch einen festen Rahmen, Struktur und Halt. Nehmt euch am Anfang zurück und gebt euch die Zeit, und habt die Geduld die es braucht, um anzukommen.

Mal dauert es nur ein paar Tage, mal ein ganzes Jahr, so wie bei uns. Es geht schließlich unterm Strich „nur“ darum, dass die Hunde und die Familien glücklich miteinander sind. Mir bleibt zu sagen, dass unsere Hyäne im Mai schon 3 Jahre bei uns ist und unser Leben bereichert. Unser kleiner Mopsi, unser wildes Wölfchen, hat sich in unserem Leben und Herzen festgebissen und da wird er auch bleiben.
Wir feiern im Mai seinen 11.ten Geburtstag und freuen uns auf viele weitere Erlebnisse und Abenteuer mit unserem Mähnen-Dackel.
Und mittlerweile gibt es das kleine Mähnentier auch als Stofftier :o)

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Viele Grüße aus dem schönen Schwarzwald, habt eine gute Zeit mit euren tierischen Familienmitgliedern

 

 

 

 
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