"Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt".
(Rainer M. Rilke)

18.03.2022
Liebe Tierfreundinnen, liebe Tierfreunde,
wir erzählen hier häufig, wie es für unsere Hunde ist, in ihr neues Zuhause zu kommen. Mit wieviel Aufregung der Einzug in ein neues Leben verbunden ist, für die neue Familie und den Vierbeiner. Aber das sind ja meist alles nur Vermutungen. Daher sind wir froh, dass Csipu, die kleine Hündin, die an Weihnachten von der Tierpension im hohen Norden aus ihr Glück gefunden hat, einmal aus erster Pfote sozusagen berichtet, wie es ist, die ersten Schritte in ein neues Leben zu wagen. Dazu hat sie sich bei ihrer Vermittlerin gemeldet:

Liebe Conni! Heute möchte ich dir erzählen, was mir in den letzten Tagen widerfahren ist. Es begann in der Woche vor Weihnachten. Du weißt, in der Tierpension. Etwas veränderte sich. Ich konnte nicht genau sagen was es war. Meine Pflegerin Lara schaute mich auf einmal anders an. Was war das nur? Spürte sie, dass in den kommenden Tagen etwas passieren würde? Für mich ging das Leben aber erst einmal normal weiter.

In meinem Zimmer war es warm, wir spielten mit den Kollegen, Futter gab es immer ausreichend. Dann, es war wohl der zweite Weihnachtsfeiertag, klopfte es morgens plötzlich an unserer Tür. Wir wurden in den Flur gerufen und mit Lara standen da auf einmal noch zwei fremde Menschen. Ich stürzte mich erst einmal auf Lara, um sie zu begrüßen. Aber auch die beiden Menschen waren freundlich zu mir. Die Menschen sprachen miteinander. Vielleicht auch über mich? Ich hörte öfter Csipu, Csipu! Ob sie mich damit meinten?
Lara nahm mich an die Leine und ehe ich mich versah, stand ich plötzlich vor der Tierpension in der Kälte allein mit den beiden Menschen. Sie gingen mit mir über die Straße. Wo wollt ihr hin? Kommt, lasst uns hier laufen! Ich zog erst mal in eine Richtung. Wollten sie denn nicht mit? Warum blieben sie stehen? Dann auf einmal ging es wieder weiter. Also, geht doch. Nach ein paar Minuten schon drehten wir um.
Auf dem Rückweg begegneten uns zwei andere Menschen mit vier großen Hunden. Die kannte ich nicht. Jedenfalls waren sie nicht aus meinem Heim. Als wir vorüber gingen fingen sie plötzlich an mich anzupöbeln. Erst die beiden bei dem Mann. Dann die beiden mit der Frau. Mein Mensch grüßte nur freundlich und ging weiter. So eine Unverschämtheit! Das lasse ich nicht auf mir sitzen! Ich drehe mich um, um die Sache noch schnell auszudiskutieren, aber wir waren schon zu weit weg.

Zurück in der Pension war auf einmal eine aufgeregte Stimmung. Die Luft brannte. Die Menschen redeten und liefen hin und her. Es wurde eine Box herbeigebracht. Wieder hörte ich: "Csipu, Csipu!" Dann kam auch noch Angelika dazu. Immer noch reden. Dann gingen wir vor die Tür, der Mensch nahm mich hoch und Angelika hantierte mit so einem flachen Gegenstand vor uns herum. "Foto, Foto." Habe ich das richtig verstanden? Dann ging alles sehr schnell. Ich wurde gepackt und in die Box gesteckt. Die Box wurde hochgehoben und in ein Auto gestellt.
Kurze Zeit später ein kurzes Brummen, und schon setzten wir uns in Bewegung. Wo wollen wir hin? Warum sitzt der Mensch neben mir und schaut mich immer so an? Ich versuche aufrecht durch die Situation zu kommen, aber es wackelt so sehr und nach ein paar Minuten beschließe ich, mich lieber hinzulegen. Ich bin fürchterlich aufgeregt und zittere ein wenig. Der Mensch scheint zu merken, dass ich etwas Angst habe. Ich traue mich nicht, einen Mucks zu sagen.
Nach einer endlos langen Fahrt hält das Auto endlich an. Draußen wird es schon dämmrig. Die Box wird wieder aus dem Auto genommen und in ein Haus getragen. Hier werde ich erstmals wieder befreit und man bietet mir sofort etwas zu saufen an. Hey, jetzt? Das ist alles für die Tortur? Ich habe den ganzen Tag noch keinen Bissen gefressen! Aber es geht schon bald wieder weiter. Pfoten vertreten. Tut auch gut. Ich kann erst mal schnüffeln, in was ich hier hineingeraten bin. Und praktischerweise kann ich dann noch schnell etwas Pippi auf die Wiese machen. Und der Mensch freut sich! Ja, wenn das sooo einfach ist!

Die neue Umgebung ist aufregend! An jeder Ecke muss ich schnuppern, in jede Einfahrt möchte ich gehen. Ich schaue jedem Auto hinterher. Noch mehr Menschen. Alle interessant! Nach einer kleinen Runde geht's schon wieder zurück zu dem Haus. Schnell ins Warme! Ah! Da hinten in der Ecke im Flur steht schon die Box. Die kenne ich schon. Jetzt nehme ich auch mal einen größeren Schluck Wasser. Dann aber mal die Wohnung beschnüffeln! In der Küche ist das Buffet eröffnet. Endlich was zu fressen! Fressen macht müde. Außerdem war der Tag sehr anstrengend und aufregend. Im Wohnzimmer liegt eine Decke am Boden. Ob ich mich da hinlegen darf? Scheint in Ordnung zu sein. Man lässt mich in Ruhe. Auf der Decke liegt noch eine Plüschkrabbe. Verlockend! Ob die zum Spielen ist?

Am Abend wird dann ein Gerät eingeschaltet, aus dem Stimmen kommen. Ich schaue mir das mal an. "Sissi, Sissi! Ungarn!" Wo habe ich das bloß schon einmal gehört? Dann geht's noch ein paar Schritte um den Block. Jetzt ist es schon dunkel geworden. Als wir zurückkommen, wird auch schon das Licht gelöscht. Ich soll in den Flur gehen. Und die Menschen gehen eine Treppe hoch. In der Ecke steht die Box. Neben die Box haben sie mir noch die Decke gelegt. Das scheint mir ein sicherer Ort zu sein, also krieche ich mal in die Box rein. Irgendwann stand dann der Mensch noch einmal auf der Treppe und hat nach mir geschaut. Oder habe ich das nur geträumt? Ich schlafe schnell ein und gebe die ganze Nacht keinen Ton von mir.

Am anderen Morgen Geräusche. Schon kommt der Mensch die Treppe runter, ich werde angeleint und los geht's. Man bin ich aufgeregt! Ich renne von links nach rechts und umgekehrt. Warum zappelt der Mensch an der Leine so? Spring doch einfach drüber! Jetzt fällt doch die Anspannung ein bisschen ab und ich kann mich erst mal lösen. Und wieder freut sich der Mensch! Zurück im Haus verschwindet der Mensch wieder nach oben. Als die Menschen wieder herunterkommen, setzen sie sich an den Tisch, von dem es so gut riecht. Ich möchte auch auf den Tisch sehen, aber ich glaube, dass darf ich nicht. Viel essen tun sie aber wohl nicht. Es liegt eine Anspannung in der Luft. Ich glaube, die Menschen müssen sich auch ein bisschen erst an mich gewöhnen. Nachdem die Menschen aufgestanden sind vom Tisch, bekomme ich mein Futter. Dann sind die Menschen für eine Weile verschwunden. Ich suche sie noch kurz, beschließe dann aber, wieder in die Box zu gehen. Ab und zu scheint in einer Ecke etwas zu blinken, was fast wie ein Auge aussieht, aber das stört mich nicht. Mir gefällt es bis jetzt gut und ich habe beschlossen, mich von meiner besten Seite zu zeigen.
Als die Menschen kurze Zeit später wieder erscheinen, begrüße ich sie freundlich. Sie haben so einen komischen Geruch an sich. Als wären sie irgendwo gewesen, wo es viele leckeren Sachen gibt. Und tatsächlich bekomme ich kurze Zeit später ein Leckerli, das ich noch nicht kenne. Und schon geht's wieder weiter! Raus an die frische Luft. Diesmal mit Frauchen eine größere Runde. Wir erkunden einen neuen Weg. Ich darf schnuppern, aber immer wieder soll ich wohl neben dem rechten Fuß laufen und nicht so viel hin- und herspringen. Ok. Ich gebe mir Mühe. Wie gesagt: Immer von der besten Seite zeigen. Ich bin der Meinung, ich mache das schon toll und je länger wir laufen, um so ruhiger wird das. Hallo? Ich bin doch auch gerade erst einmal angekommen. Und wie ich mit meinem Menschen kommunizieren kann, lerne ich auch noch. Aber im Moment ist alles am Boden noch viel zu interessant. Was soll ich mich da dauernd nach ihm umschauen?

Der Rest des Tages verlief dann unspektakulär. Mittagsschlaf mit meinen Menschen, Gassi, fressen, faulenzen und vor dem Schlafen noch einmal lösen. Der nächste Morgen. Mensch kommt wieder die Treppe runter und es geht raus. Wieder zurück geht er wieder hoch. Ob er gleich wohl wieder so komisch riecht, wenn er zurückkommt? Egal ich spiele so lange mit der Krabbe. Die ist großartig und ich habe sie in mein Herz geschlossen. Das Spiel heißt rennen, schnappen und in die Luft schmeißen, den Flur hoch und runter! Nach dem Frühstück dann soll ich in die Box. Und schwupp ins Auto. Oh je! Werde ich jetzt wieder weggebracht? Gott sei Dank dauert die Fahrt keine 10 Minuten. Wir stehen vor einem bunten Laden, aus dem ein Geruch kommt, den ich schon kenne. Richtig! So haben meine Menschen gestern gerochen, als sie wieder nach Hause kamen. Hier waren sie also. Diesmal darf ich mit und wir gehen rein. Drinnen scheinen alle schon auf mich zu warten. Ich werde begrüßt und ich soll ein neues Geschirr anziehen. Wozu das ganze? Ich habe doch eins. Und es roch doch auch schon nach Hund. Zugegeben, das Neue ist etwas bequemer und reflektiert im Dunkeln. Wenn wir unbedingt so was brauchen...
Die Menschen nehmen aber noch mehr mit. Noch eine Leine, noch eine Box. Wozu? Wir haben doch alles! Ab nach Hause, ausruhen und dann die neuen Klamotten auf dem nächsten Spaziergang ausprobieren. Das Geschirr trägt sich angenehmer und die Leine gibt mir etwas mehr Spielraum. Aber ich bleibe auch schon gerne bei meinem Menschen am Fuß. Ich glaube das mag er. Und wenn ich dann mal etwas entdecke, bleibt er auch stehen und ich darf es erforschen.

Liebe Conni, ich hoffe die Menschen und ich werden ein gutes Team. Ich gebe mir Mühe. Und ich glaube, die Menschen mögen mich auch, Sonst würden sie mich nicht so hingebungsvoll streicheln und dauernd versuchen, mein Fell zu kämmen. So, jetzt weißt du, was ich erlebt habe. Wenn du magst, kannst du es ja meinen Kumpels in Süderbrarup erzählen, damit sie wissen, man soll die Hoffnung nie aufgeben! Ich danke dir für deine Hilfe liebe Conni, deine Csipu!

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Und wir vom Pusztahunde-Team freuen uns von Herzen mit!

 
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