"Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt".
(Rainer M. Rilke)

22.04.2022
Liebe Tierfreundinnen, liebe Tierfreunde,
wir lassen sie ja immer gerne an glücklichen Vermittlungen teilhaben, kleinen Wundern und tollen Geschichten. Aber manchmal passiert auch genau das Gegenteil. Trotz aller vorherigen Bemühungen, zahlreicher Telefonate, ausführlicher Gespräche und positiver Vorkontrolle. Und auch wenn man seit Jahren im Tierschutz aktiv ist und wirklich schon viel erlebt hat, gibt es Momente, wo man an allem zweifelt und sprachlos da steht. Fast schon mit Schleudertrauma vom vielen Kopfschütteln.

So ein Moment ist die Geschichte von Watson:
Watson, ein alter Hund, kam in schlechtem Zustand ins Tierheim. Ungefähr 10 Jahre ist Watson alt und das Leben hat es bisher nicht gut mit ihm gemeint. Zunächst sehr ängstlich und unsicher, ist der liebe Kerl dann aber aufgetaut und hat sich den Menschen geöffnet. Zu Hunden ist er auch nett. Aber natürlich ist es nicht leicht für einen alten Hund, unter den vielen Hunden, die ein Zuhause suchen, ein schönes Plätzchen zu finden.

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Da freut man sich umso mehr, wenn sich ein älteres Ehepaar meldet, das Watson ein Zuhause geben möchte. Dann nimmt die Vermittlung ihren Lauf, mit den oben erwähnten Gesprächen, Beratungen und so weiter.
Alles entwickelt sich positiv und wir freuen uns für Watson. Für so einen alten Hund zählt jeder Tag und so sollte Watson nicht bis zum nächsten freien Platz auf dem Transporter warten. Es ergab sich eine tolle Mitfahrgelegenheit und Watson wurde den Übernehmern quasi bis vor die Tür geliefert.

So weit so gut. Denkt man. Hofft man. Aber was dann bereits 24! Stunden nach Watsons Ankunft in seinem neuen Zuhause kam, hat uns ehrlich gesagt schockiert. Hier ein Auszug aus der Mail, die uns erreicht hat:

Der Transport von Watson zu uns hat gestern sehr gut geklappt. Leider müssen wir aber dennoch sagen, dass wir in vielerlei Hinsicht sehr enttäuscht sind und uns nicht in der Lage sehen Watson das geplante zu Hause zu geben, obwohl er im Grunde ein ruhiges und nettes Wesen hat.

Das hat folgende Gründe:

* er ist größer als erwartet (die für ihn angeschaffte Transportbox ist zu eng und war ein Fehlkauf)

* sein Fell und sein äußeres sind so verwahrlost, wie wir uns nicht hätten vorstellen können

* er ist nicht in der Lage, sich draußen beim Gassigehen im Grünen und in Parks zu entspannen und macht Pfützen und großes Geschäft, wann er gerade Lust hat

* er kennt scheinbar gar keine Wohnung, springt gegen die Glastür weil er raus will

* er springt auf Fensterbänke, Stühle und Tische

* schließlich gibt es keine Harmonie mit unserer etwas größeren, 5 Jahre alten Hündin (obwohl er nach einem heutigen Bad nicht mehr so riecht oder besser stinkt wie anfangs).

Wären es nur ein Drittel oder die Hälfte dieser Gründe, hätten wir es gern versucht, die verbleibenden Probleme mit Geduld anzugehen. Aber so sind wir nicht in der Lage, Watson zu behalten.

Was will man dazu sagen? Denken? Schreiben? Ist man wütend? Enttäuscht? Ratlos? Fassungslos? Irgendwie alles zusammen. Und eigentlich braucht man dazu auch gar nichts weiter schreiben, oder?
In Watsons Inserat steht sogar, dass er wahrscheinlich kein Haus kennt und nicht stubenrein ist. Ganz davon ab, dass man sich sowas bei einem Hund aus dem ungarischen Tierschutz auch denken kann. Vorausgesetzt man denkt. Über den Hund. An den Hund. Oder überhaupt.

Neben all der enttäuschten Emotionen tut uns aber Watson am meisten leid. So viel Aufregung, Stress, Stunden im Auto und nun ist der arme Kerl (der ja laut diesen Leuten ein angenehmes und nettes Wesen hat) wieder im Tierheim. Verwirrt und ja, bestimmt auch enttäuscht.
Genauso wie die Tierheimmitarbeiter, die sich für die alten Hunde immer ganz besonders freuen und ins Zeug legen.

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Also zusammengefasst: Wer einen bestens funktionierenden Hund will, der gut erzogen ist, alles kennt, nie bellt, stubenrein ist, sich mit allem und jedem verträgt, Autofahren und alleine bleiben kann, prima an der Leine geht, frisch frisiert, geföhnt und wohlduftend ist und am besten mit passender Ausstattung kommt, sollte sich vielleicht lieber in der Stofftierabteilung umsehen.
Und nicht bei Hunden aus dem ungarischen Tierschutz, die es bisher nie gut in ihrem Leben hatten und mit Geduld, Liebe und Fürsorge an ein schönes Hundeleben herangeführt werden sollten.

Dann können wir uns an dieser Stelle sicher bald wieder über gelungene Vermittlungen zu liebevollen Menschen freuen.
Falls Sie nun neugierig geworden sind und Watson vielleicht in ihr Herz geschlossen haben, finden Sie hier alles Weitere zu dem lieben Kerl:
https://www.projekt-pusztahunde.de/index.php/zuhause-gesucht/senioren/4512-watson 

Ihre, auf bessere Zeiten für Watson und seine Kollegen hoffenden, Pusztahunde

 
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