"Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt".
(Rainer M. Rilke)

29.6.2015
Liebe Tierfreunde, es gibt im Tierschutz viele Menschen mit einem großen Herzen für herrenlose Hunde. Und es gibt Menschen mit Scheunentor-ähnlich großen Herzen, die bewusst „ja“ sagen zu den Ärmsten der Armen, um diesen Geschöpfen ein wunderschönes Zuhause zu bieten.

Und wenn Sie nun wissen möchten, was es mit dem kleinen Miststück, der schwarzen Hex, dem Angsthäschen und dem Schäfi-Bazillus auf sich hat, lesen Sie einfach weiter. Angefangen hat alles mit Schmidt.

Eine sehr nette Dame entdeckte ihn in unserem Tierheim, war begeistert von ihm, verstand überhaupt nicht, warum er schon so lange dort war und warum ihn niemand haben wollte, und adoptierte ihn vom Fleck weg. Die Dame, das sollte ich Ihnen vielleicht als Erklärung mit an die Hand geben, wurde bereits vor vielen Jahren mit dem Dackel-Schäferhund-Virus infiziert und lebt seitdem glücklich inmitten einer Bande eigensinniger, kurzbeiniger Dackelköpfe und sanftmütiger Schäferhund-Kontrolettis.

Unser Schmidt nun heißt heute Fritzi und genießt sein neues Leben in vollen Zügen. Manchmal setzt er auf die Karte „ich-habe-ein-kaputtes-Pfötchen-und-muss-daher-nicht-so-hören-wie-die-anderen“. Sein Frauchen nimmt es mit Humor und lässt sich sehenden Auges um die nur gelegentlich schwächelnde Pfote wickeln.

Von der vorhandenen geballten Weiblichkeit ist Fritzi manchmal etwas überfordert und wenn die kommunikative Vroni sich gemütlich an ihn kuscheln möchte, nimmt er das wie ein Mann hin, hat aber ein „Boahhh, Weiber“ auf der Stirn stehen.

Und irgendwann kam der Tag, an dem Fritzis Frauchen sich in zwei kleine schwarze Wesen verliebte - weibliche natürlich - und sich nicht entscheiden konnte, welche denn nun das Körbchen der leider verstorbenen und heißgeliebten Cara ausfüllen sollte (wir fragen an dieser Stelle besser nicht, wie der Fritzi noch mehr Mädels im Haus findet).

Aber die beiden Mäuse waren so klein (eher so die Dackel-Schiene) und das Körbchen von Cara so groß (ihres Zeichens Schäferhund-Mix-Mädchen), dass Frauchen zu der Erkenntnis kam, dass das verwaiste Körbchen nur ausgefüllt werden könnte, wenn zwei Dackelinen einziehen würden. Und so begannen die Erfolgsstories Nr. 2 und 3, die von dem Angsthäschen Lucky und von der schwarzen Hex Lizi, jetzt Nelli.

Lucky ist kein gewöhnlicher besonderer Dackel müssen Sie wissen, sondern ein ängstliches besonderes Hunde-Mädchen. Im Tierheim bekam man sie selten bis gar nicht zu Gesicht, denn sie war gefangen in ihrer Angst, die jedes Leben im Ansatz erstarren ließ. Chance auf Vermittlung in Ungarn: 0%. Chance auf Vermittlung in Deutschland: 0%. Wenn Bilder von ihr gemacht werden sollten, musste sie hervor gezerrt werden aus ihrer schützenden Hütte. Herzzerreißend mit anzusehen! Die Clicks auf ihr Inserat lagen deutlich über 2000! Weil sie so süß ist, so lieb aussieht. Aber so einen Hund zu adoptieren ist mit enormem Aufwand verbunden, den viele nicht betreiben können oder wollen. Aber eine schon. Die nette Dame aus unserer 3-fachen Happy-End-Geschichte. Sie hat sich getraut. Hat viel investiert. Hat alles richtig gemacht, denn nach nur ein paar Monaten ist aus der un-lucky Lucky eine fröhliche Renn-Maus geworden, die OHNE Leine laufen kann und sich komplett auf ihr Frauchen eingelassen hat. Jetzt-lucky Lucky ist zu echter Bindung fähig. Etwas, was man nie für möglich gehalten hätte, wenn man sie im Tierheim erlebt hat.

Die schwarze Hex ist die kleine Ex-Lizi-Jetzt-Nelli. Auch sie ist etwas ganz besonderes. Krumme Beinchen, riesige schwarze Ohren, schmales Köpflein, ein bisschen schüchtern (ähem … hab ich gedacht … aber war sie im Tierheim auch). Nelli hat ihre Schüchternheit in der Sicherheit ihres neuen Zuhauses sehr zügig abgelegt. Die kleine Rakete darf bis heute nicht ohne Leine laufen, denn eines ihrer vielen Interessensgebiete ist die Häschen-Jagerei. Ein reinrassiger ungarischer Großohr-Jagd-Schwarz-Dackel halt, der was auf seine Vorfahren hält. Pah, Dackel ohne Leine. Geht ja gar nicht. Richtig Nelli?
Lassen wir das Frauchen unseres Ungarn-Dackel-Trios zum Schluss aber auch noch einmal selber zu Wort kommen. Das schrieb sie, kurz nachdem die beiden schwarzen Schönheiten bei ihr eingezogen waren:

„Wenn ich Lucky anschaue, tauchen vergangene Bilder auf: meine geliebte NoName Cara, die sich unsichtbar machte und erst nach ungefähr einem Jahr selbst um Streicheln bat. Meine Athena (Schäferhunddame) mit ihrer bedingungslosen Liebe trotz der Misshandlungen, Linda (Schäferhunddame) - eine tabula rasa nach Aufwachsen auf einem winzigen Balkon, um anschließend in der Tötung entsorgt zu werden, Vroni, die Madam Mega-wichtig, der Fritzi mit seinem sprühenden Temperament und seiner Lebensfreude und jetzt Nelli, die sich in ihrem neuen Zuhause 'sortiert' und alles erkundet. Das alles ist für sie so ungeheuer toll, da hat sie noch gar keine Zeit für Kuscheln auf dem Sofa, sondern rollt sich erschöpft in ihr Körbchen, um am nächsten Morgen für Neues bereit zu sein.

Ja, Lucky, sie kann noch nicht richtig verstehen, was ihr geschehen ist. Sie läuft mir vorsichtig nach, kaum drehe ich mich um - schnell ins Körbchen. Ich kann sie streicheln, auch auf den Arm nehmen, sie ist nicht mehr steif, aber ihr Körbchen ist ihr lieber. Sie begrüßt mich beinahe stürmisch mit Bellen und Quietschen (!!!). Nach so viel Emotion ist wieder das Körbchen angesagt. Und für mich besonders, sie frisst neben den anderen, ihr Schüsselchen steht frei! All das sind Geschenke und machen mich reich.“

Einem engagierten Menschen mit Plan, der seine (zum Teil nicht ganz unkomplizierten) Hunde als Geschenk empfindet, der keine Arbeit und keine Zeit scheut, damit alle, auch die schwierigen, glücklich werden und der es immer wieder schafft, aus jedem Schicksal-belasteten Hund einen wunderbaren individuellen Gefährten mit ganz viel Lebensfreude zu machen, dem muss man einfach einmal sagen, wie toll man ihn findet.

Liebe, nette Dame. Wir finden dich toll! Und irgendwo wartet sicher noch ein bedürftiges Schäferhund-Mädchen darauf, dass Du ihrem Leben Sinn gibst. Irgendwo, irgendwann, irgendwie. Dann wird sich alles richtig anfühlen und das Schicksal wird auch nicht vorher abwinken. Weil sein muss, was sein soll.
Nun schau erst einmal, dass Du selber wieder auf die Beine kommst. Du wirst ganz dringend gebraucht.

Dein Projekt-Pustsztahunde-Team

 
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